Der Grundbau.
Nach Engesser ist zu erwarten, dass bei gleichgrossem Inhalte kreisförmige
und geviertförmige Grundflächen die grösste Tragfähigkeit aufweisen, dass bei
Grundflächen beliebiger Gestalt sich bei gleichmässiger Aenderung sämmtlicher
Abmessungen (auch der Gründungstiefe ?) die Tragfähigkeit in gleichem Ver-
hältnisse ändert. Für eine nmal erössere Grundfläche erhöhen sich hiernach
die Tragfähigkeit (für die Flächeneinheit) auf den Yn-fachen und die (Gesammt-)
Tragkraft auf den „V»-fachen Betrag. Danach würde man die Tragfähigkeit
eines Baugrundes in der Weise ermitteln können, dass man eine Probebelastung
desselben vornimmt mittels eines Körpers, dessen Grundfläche ähnlich und = !/n
des späteren Bauwerkes ist, und dann die beobachtete Tragfähigkeit mit VYn, die
Traekraft mit „»V» multiplieirt. Als zulässige Belastung wird man dann nur
einen Theil der ermittelten Tragfähigkeit annehmen. Die angeführte Arbeit von
Engesser bringt dann noch eine Betrachtung über die Grösse der Senkung, deren
Ergebniss folgendes ist:
1. Die einzelnen Punkte einer gleiehmässig belasteten Grundfläche senken
sich ungleich und zwar die in der Mitte stärker als die am Rande und zwar bei
sehr grossen Flächen nahezu doppelt so stark. Die Senkung eines Eckpunktes
ist bei einem Rechteck gleich dem vierten Theil eines mittleren Punktes, bei
einem Eckwinkel von «Grad = «: 360 von dieser Senkung. Soll ein Bauwerk
mit durchgehendem Fundament sich möglichst gleichmässig setzen, so muss man
also die Ecken entsprechend stärker belasten, oder bei gleichmässiger Belastung
an ihnen die Fundamentfläche entsprechend verkleinern.
2. Die Senkungen ähnlicher Grundflächen nehmen mit der Grösse zu. Bei
n-fachem Gesammtdruck muss daher die Grundfläche mehr als die n-fache Grösse
erhalten, wenn die Senkungen die gleichen bleiben sollen.
3. Bei gleicher Grösse aber verschiedener Gestalt der Grundflächen fallen
die Senkungen um so grösser aus, je gedrängter die Grundflächenform ist. Am
grössten ist die Senkung bei einer Kreisfläche, wie schon im Grundbau, 3.19,
hervorgehoben:
Die Grösse der Senkung an sich ist meist ohne besondere Bedeutung. Die
Unterschiede der Einzelsenkungen aber führen Risse herbei. Man wird also, wie
oben angegeben, Grundfläche nnd Lastvertheilung so anzuordnen haben, dass die
Unterschiede der Senkungen ein für die Verhältnisse des Bauwerkes passendes
Maass nicht überschreiten. Die absoluten Werthe der Senkungen sind dann be-
langlos. Nur bei ungleichmässigem Grunde muss man diese berücksichtigen
und sie so niedrig halten, dass die grössten möglichen Werthe der Unterschiede
keine gefährliche Grösse erreichen können.
Zum Schluss wird nochmals ausdrücklich auf das verschiedenartige Verhalten
von Tragfähigkeit und Senkung zur Grundflächengrösse hingewiesen, indem beide
bei gleicher Einheitsbelastung mit zunehmender Grundfläche wachsen. Steigt
also die Gesammtbelastung um das n-fache, so genügt es, die Grundfläche in
geringerem Maasse zu vergrössern (F,<n.F), um die gleiche Sicherheit gegen
die Ueberlastung der Grundfläche zu behalten. Soll dagegen die Senkung unter
der n-fachen Belastung nicht grösser werden als unter der einfachen, so muss
die Grundfläche F, >n. F sein.
Zur weiteren Unterweisung seien folgende Arbeiten angeführt: Die erwähnte Arbeit von
Engesser, Centralbl. d. Bauw. 1893, S. 396 und von Schwedler ebenda 1891, S. 95. Zur Frage des
- Widerstandes der Gründungen auf natürlichem Boden von Kurdjümoff übersetzt von E. v. Paton
Civilingenieur 1892, Heft 4. S. 293—311. Ueber den Widerstand sandigen Bodens gegen lothrechte
Lasten von Yankowsky in Memoires de la societ& des ing. civ. 1892, Nov. S. 848 und 937.
c. Bodenuntersuchungen.
Ein neues sehr zweckmässiges Bohrgeräth ist das in Fig. 46 bis 58 darge-
stellte vom Bergrath Tecklenburg entworfene (patentirt), welches von P. Graef
in Darmstadt angefertigt wird. Das Bohrloch erhält nur 22 bis 33 »= Weite
und ist infolge dessen mit geringem Kraftaufwande herzustellen. Die Bohr-
stangen sind Gasrohre; Gewicht eines vollständigen Geräthes für 10” Tiefe
nur 7*s, Zu dem Geräthe liefert die Fabrik folgende Bohrer: Meisselbohrer
Fig. 48 mit Schneiden in der Sohle und an beiden Seiten, zum Durchstossen
festen Gesteins; Kronenbohrer Fig. 49 mit 6 unteren strahlenförmigen und