Full text: Städtisches Strassenwesen und Städtereinigung (Abtheilung 3, 3. Heft)

  
  
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298 Kanalisation. 
Druckhöhe kann Grundwasser durch 25 m starke Ziegelwände ziemlich beträcht- 
lich eindringen. Diese Thatsache hat nun die Besorgniss und Behauptung ver- 
anlasst, auf demselben Wege könne auch der Kanalinhalt durch Exosmose 
in das äussere Grundwasser gelangen und es verunreinigen, oder wenn es tief 
steht, ohne weiteres den Boden infiziren. Glücklicherweise stehen dem sowohl 
empirische als wissenschaftliche Beweis entgegen: 
Durch chemische Untersuchung und Vergleichung des Untergrundes in der 
Nähe von Kanälen mit solchem in grösserer Entfernung hat sich in München, 
Hamburg, Altona, sowie in englischen Städten erwiesen, dass bei guter Kon- 
struktion und wo nicht grobe Lecke stattfinden, die Verunreinigung geringfügig 
oder nicht vorhanden sei. Bei Wiederholung nach 6 Jahren (in München) fand 
man die Verunreinigung abgeschwächt, was wohl dem Verstopfen der Poren 
zuzuschreiben ist.) Freilich sind rationelle Kanäle noch nicht alt, die ältesten 
in obiger Weise untersuchten etwa 25 Jahre, daher der Einwand nahe liegt, 
dass nach längerer Zeit doch noch Verunreinigung eintreten könne. Allein wo 
geringe Schmutzmengen in einen porösen, lufthaltigen Boden treten, u 
sie der Mineralisirung gerade wie bei einer Filtration (E VI) und wo der Boden 
undurchlässig, ist überhaupt nichts zu fürchten.?) 
Wichtiger noch erscheinen neuere wissenschaftliche Untersuchungen 
über die Gesetze der gesammten Diffusion oder Osmose.®) Die Kanalwände 
bilden nämlich eine poröse Haut zwischen zwei Flüssigkeiten, welche in ruhen- 
dem Zustande, selbst ohne statthabenden Ueberdruck, einen Austausch der 
beiderseitigen Lösungsbestandtheile vollziehen müssten. Allein auf der einen 
Seite der Wand, im Kanalinnern, ist Bewegung der Flüssigkeit und infolge 
davon die Exosmose der in ihr gelösten Bestandtheile erheblich gehemmt oder 
fast ganz aufgehoben, dagegen die Endosmose gesteigert. Diese Wirkungen 
wachsen mit der Stromgeschwindigkeit und mit der Porosität des Materials und 
gerade der letztere Unterschied ist geeignet, den Unterschied der Erscheinungen 
bei ruhigem und bei strömendem Wasser darzulegen. Die Kanäle verhalten 
sich somit im allgemeinen lediglich aufsaugend, nicht ausschwitzend, und es 
wäre ein recht poröses Material (z. B. magerer Beton) in einer Dicke, 
welche die Forderungen der Festigkeit nicht zu übersteigen braucht, geradezu 
wünschenswerth. 
Nur trifft die gemachte Voraussetzung: Flüssigkeit zu beiden Seiten der 
Wand nicht immer zu. Viele Kanäle befinden sich nicht oder nicht immer im @rund- 
wasser-Bereich; auch wo der Boden damit gesättigt ist, wird die Kanalwand 
nicht ausschliesslich von „Flüssigkeit“ berührt und mögen die Reibungswider- 
stände zwischen den Erdkörnern einen Einfluss auf die Osmose ausüben. Ferner 
kann im Innern die Strömung zeitenweise sehr schwach sein oder gar durch 
vorüber gehende Ablagerungen ruhiges Wasser erzeugt werden. Aus diesen 
Gründen dürfte das Bestreben nach Wasserdichtigkeit, nach möglichst klein- 
porösen Stoffen (Glasur, Zement) doch berechtigt bleiben und die geschilderte 
osmotische Wirkung, wo sie nach Lage der Dinge überhaupt wahrscheinlich 
ist, mehr als Sicherheitsüberschuss anzusehen sein. 
Wie man sich auch die regulirende Wirksamkeit der Kanäle vorstellen und 
einrichten mag, so hängt dieselbe jedenfalls ab von der Beschaffenheit der Zu- 
flüsse, aus welchen das Grundwasser stammt. Wo die Zuflüsse unendlich 
gross sind, wo das Grundwasser unter dem unmittelbaren Einfluss eines be- 
nachbarten grossen Stromes oder Sees steht, da kann von einem Tieferlegen 
nicht die Rede sein. Welches Kanalnetz könnte alles Wasser aufnehmen, das 
aus solchen Strömen unterirdisch sich vertheilt oder zurückstaut? Deshalb 
werden die Keller in den tief gelegenen Bezirken mancher gut kanalisirten 
Städte an der Elbe, am Rhein usw. doch nicht ganz vom Grundwasser befreit 
und geniessen nur — wie oben erwähnt — eine beschleunigte Trockenlegung, 
nachdem das Grundwasser wieder gesunken ist. 
Eine dauernde Regulirung des Grundwassers tritt dagegen ein, wo das- 
1) Vierteljahrschrift für öff. Ges. 1872, 545 und 1876, 160. Zeitschrift für Biologie XI, 459. 
“) Experiment von Fodor, Gesundheits-Iugenieur 1883, Beilage S. 124. 
®) Wibel in den Abhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins von Hamburg 1883, 
Auszug und Kritik in der Zeitschrift für Baukunde 1883, 171. 
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