Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

  
  
  
  
  
  
  
IV. DEUTSCHLAND, OESTERREICH UND UNGARN. 377 
  
     
    
     
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zwei hoheitsvolle Frauengeftalten, die Stadt Genf, als 
die zartere, welche fich an die mächtige Helvetia lehnt, 
das Ganze klar und fchlicht im Motiv, vornehm in der 
Durchführung. Wie fteht das Bafeler Monument der 
Schlacht von St. Jacob von Ferdinand Schlöth hier- 
gegen zurück! 
In der Münchener Plaftik trat diesmal eine jüngere 
Richtung und mit ihr ein freieres und urfprünglicheres 
Leben in den Vordergrund. Es ift tröftlich, dafs fich 
dort neben der geiftllofen und ermüdenden Galerie von 
Puppen, mit welchen die einheimifche Schule alle Strafsen 
und öffentlichen Plätze ausgeftattet hat, bald ein fo ge- 
diegenes Werk wie das Denkmal Maximilian’s ll. von 
Zumbufch erheben wird, welches, theils fchon in Bronze- 
Ausführung, theils in bronzirten Gypsmodellen auf dem 
Platze zwifchen den deutfchen Annexen ftand. Hier tritt 
uns ein wirklich plaftifches Gefühl bei charaktervollem 
Anfchlufs an den Stil der italienifchen Renaiffance ent- 
segen. Zunächft befriedigen die glückliche Architektur 
des Sockels, welche dem Zufammenwirken mit dem 
Architekten Hügel zu danken ift, die breiten und mäch- 
tigen Verhältniffe des Aufbaues, die kühnen und fprechen- 
den Umriffe (f. S.232). Die allegorifchen Geftalten, welche 
frei vor dem Poftamente fitzen, find einander an künttleri- 
fchem Werthe nicht gleich, jedenfalls aber ift die vordere, 
der Friede, eine Jünglingsgeftalt von hohem Adel. Die 
tragenden Knabenfiguren an den abgefchrägten Ecken 
des Poftamentes ftellen die glücklichfte Verfchmelzung 
zwifchen den plaftifchen und architektonifchen Theilen 
her und‘ die Figur des Königs, voll fchöner Humanität 
und fürftlicher Würde der Auffaffung, ‚bei glücklichem 
Faltenwurf, vermag die reich bewegten unteren Partien 
energifch zu beherrfchen. Zumbufch gehört feit kurzem 
Wien an, und in der öfterreichifchen Abtheilung war er 
Bordüre, entworfen von F. Fifchbach, ausgeführt von H. Engelhardt in Mannheim. 
  
     
  
  
  
   
    
   
  
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
 
	        
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