231 Flugfiſ<h — Flugmaſchine
frümmten Kanal. Sie haben Yange, mit den Augenſtielen verwachſene
Tentakeln, ſehr vollkommene Augen , leben von Aas u. bewegen fich oft
ſpringend, indem die hintere Abtheilung des Fußes gegen die vordere um-
geihlagen wird. In diefe Familie gehört nam. Strombus gigas, eine bis
27% kg. j were Schnede des Antillenmeeres, deren Gehäuſe maſſenhaft z. B.
nad) England ausgeführt. wird u. bei der Porzelfanbereitung dient;
ferner Pteroceras, die Sforpionsfchnede Südaſiens, deren Außenlippe
fange, fingerförmige Fortjäge trägt.
ÉFlugfiſch, |. „Flug“.
Fliiggen, Gisbert, einer der bedeutendſten Genremaler der Mün-
hener Schule, geb. 1811 in Köln, beſuchte anfangs die Akademie in
Düſſeldorf, ließ fich aber dann in München nieder u. entwi>elte hier
eine reiche, glänzende Thätigkeit. Jn der Weiſe des engl. Genremalers
Wilkie ſchildert er die Konflikte der menſchlichen Geſellſchaft wie die
Gebrechen der Gegenwart u. weiß dieſen Schilderungen einen hiſtoriſchen
Charakter zu verleihen; dabei iſt ſeine Kompoſition klar u. der Aus-
dru> der Geſtalten lebend u. ſprechend. Zu ſeinen Hauptbildern ge-
hören „Der unterbrochene Heirathsfontraft“ (1840), „Die unglüc-
lichen Spieler“ (1841), „Die Mißheirath“ (1844), „Die Prozeß-
entſcheidung“ (1847), „Der Börſenſpekulant “ (1848), „Die
betrogenen Erbſchleicher“ (1848), „Die Auspfändung“ (1854) u.
„Das Vorzimmer eines Fürſten“ (1858). Er ſtarb 2. Sept. 1859 |
zu München. — Auch ſein Sohn Joſeph F-, geb. 1842 in
Münden, ein Schüler von Karl Piloty, hat ſi als tüchtiger Genre-
u. Porträtmaler bekannt gemacht.
Flughörnchen, \. „Flug“.
Nr. 2863. Der Flughuud (Pteropus edulis).
Flughund od. fliegender Hund (Flederhund, Flatterhund,
Pteropus) heißt eine gemiffe Art von Fledermäuſen, bei welcher nicht
blos der Daum, ſondern auch der Zeigefinger einen Krallnagel trägt u.
die fich durch langgeſtre>ten Kopf u. eine ſtumpf abgeſchnittene Hunds-
Ihnauze auszeichnet. Sie leben in Südaſien, Auſtralien u. Aegypten
von Früchten u. werden dadurch den Pflanzungen jchädlich, in welchen
ſie ſih in großen Geſellſchaften einfinden, während ſie keine Blutſauger
ſind u. nur uneigentlich „Vampyre“ heißen. Die größte Art iſt der
Kalong (Rouſette, Pteropus edulis) des indiſchen Archipels deſſen
Fleiſch gegeſſen wird. — Auch der Pelzflatterer (Galeopithecus), der
zu den Halbaffen gehört, heißt ivegen ſeiner Kopfbildung „fliegender Hund“.
Bei ihm iſt die Flughaut dicht behaart u. nur zwiſchen den Extremitäten
jeder Geite ausgefpannt, während die kurzen Zehen gar nicht mit in die
Slughaut aufgenommen find.
Flugmafchine, Das Beſtreben, den Flug der Vögel nachzuahmen,
hat ſehr zeitig die Menſchen erfaßt u. zur Projektirung vieler Apparate
geführt, durch die auf künſtlihe Weiſe die Wirkung der Vogelflügel auch
für den ungleich. jchwereren menſchlichen Körper erreicht werden ſollte.
Die Mythe von Jkaros zeigt das Alter wenigſtens des Wunſches, fliegen
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Flugſand — Fluhe od. Nagelfluhe 232
Die meiſten F.n, wenn ſie fich nicht auf das Prinzip des Luftballons (ſ. d.)
ſüßen, ſind Projekte geblieben od. haben in der Ausführung ihre Erfinder
[hmählih im Stiche gelaſſen. Und diejenigen, welche wirklich in Thätig-
m
keit getreten ſind u. eine Zeit lang in der urtheilsloſen Menge von ſich
reden zu machen wußten, waren entweder nur geeignet, in Art des Fall-
ſhirmes ein langſames Herabſhweben zu geſtatten, wie der rohe Apparat,
den der ſog. fliegende Bosnier, ein Schloſſer aus Sablé in Frankreich,
erfunden hatte; od. aber fie ermöglichten mit Hülfe eineg Gegengemichtes,
an welchem Flieger u. Apparat hingen, das Herumſchweben in einem
Naume; ſolcher Art war die von Blanchard konſtruirte F. (Nr. 2865).
Eine Maſchine, die ein freiwilliges Erheben vom Boden in die Luft u.
ein Verweilen u. Fortbewegen darin ohne Zuhülfenahme des Luftballons
lediglich mittels Flügel od. fügelähnlicher Apparate ermöglicht, eine ſolche
5. iſt noh nicht erfunden worden u. wird auh nicht erfunden werden.
Das zu bewältigende Gewicht iſt unter allen Umſtänden zu groß für die
Kräfte, welche zur Veberwindung herangezogen werden können, u. die
Mechanik des Vogelflügels {hon um deswillen für eine F. nicht zu ge-
brauchen, weil das große zu hebende Gewicht entweder ungeheuer große
Flügel, die doh nur von einem verhältnißmäßig kurzen Hebelarme aus
in Bewegung gejeßt werden könnten, od. ſo raſche Schläge derſelben ver-
langt, daß feine dieſer Anforderungen mit den zu Gebote ſtehenden Kräften
erfüllt werden kann. Am eheſten würde no< das Prinzip der Schiffg-
Ihraube Ausſicht gewähren, wenn hier nicht andere Umſtände Hindernd
entgegenträten.
Flugſand, ein feiner, zuweilen mit Kalk u. Thontheilen vermiſchter
Quarzſand, ſo leicht, daß ihn der Wind aufnimmt u. weithin über Felder
u. Wieſen führt u. deren Oberfläche mit einer unfruchtbaren Schicht über-
zu können, denn weiter iſt die Sache in der That auch niht gediehen.
de>t. Ganze Feldmarken könuen durch ſolche Ueberſchüttungen werthlos
gemacht werden, u. man ſucht deshalb die Entſtehung ſolcher Sand-
wehen ſehr ſorgfältig zu verhüten, indem man die loſen Stellen
mit Fichtenzweigen überde>t u. ſog. Coupirzäune anlegt, d. h. 1 bis
1/ m. hohe, lo>er geflochtene Zäune quer vor den loſen Stellen, auf
ſchiefen Flächen 9—12 m., auf der Ebene 25—30 m. von einauder
entfernt; auch ſu<t man die loſen Sandſchollen durch Anpflanzung
von Kiefern, Sandhafer, Niedgräfern 2c. zu befeſtigen.
Flugſchriften od. Broſchüren nennt man kleinere Druck-
ſchriften, welche die Beſprechung irgend einer Zeit- u. Streitfrage
von augenbliclichem Jntereſſe zum Gegenſtand haben u. behufs grö-
ßerer Handlichkeit u. \{<neller Verbreitung in kleinem Format ge-
druct u. nicht gebunden, ſondern leicht geheftet (broſchirt) werden.
Solche F., deren Stoff den verſchiedenſten Gebieten des öffentlichen
Lebens entnommen ſein fann, verfolgen den Zwe> den betr. Kreiſen
die in Rede ſlehende Frage nahe zu legen u. ſie für deren Löſung
nach einer beſtimmten Richtung hin einzunehmen. Philoſophiſche,
theologiſche, literariſche od. ſonſtige Fragen der Wiſſenſchaft u. Kunſt
fönnen in dieſer Form abgehandelt werden. Am reichſten ift jedoch die
Literatur der polit. F., die meiſt in Zeiten des. ſi< lebhaft regenden,
aber noch unentwidelten polit. Lebens ganz od. theilweiſe an Stelle
der Zeitungspreſſe auftaucht, od. in Zeiten, in denen auf leßterer der
Dru eines unfreien Regierungsſyſtems laſtet, ergänzend neben ihr
thätig ift. Daher hat dieſe Literatur in Sranfreich, früher au) in
Deutſchland u. Oeſterreich, eine weit größere Rolle geſpielt als in
England, wo eine frühzeitig entwicfelte Zagesprefje dieſes Surrogat
entbehrlich machte. In Deutfchland blühte die Literatur der polit.
F. nam. kurz vor Ausbruch u. im Beginne der großen Franz. Re-
volution, ferner 1830 u. 1848, in Frankreich zur Zeit der Frei-
heitsfriege, der Verfaſſungswehen, die der Julirevolution folgten, der
Revolutionsjahre 1848 u. 49 des preuß. Verfaſſungskonflikts der natio-
nalen Bewegung von 1859—66 (von der Gründung des Nationalvereins
bis zu der des Norddeutſchen Bundes). Jn neueſter Zeit iſt neben dem
Kampfe zwiſchen Staat u. Kirche u. den verſchiedenen Reformfragen in
Kirche u. Schule vorzugsweiſe die joziale Frage u. die mit dieſer in Ver-
bindung ſtehende Frauenfrage Gegenſtand von &F. geworden. Von hohem
fulturgejchichtlichen Jntereſſe find die F., welche das Reformationszeitalter,
die Wirren des Dreißigjährigen Krieges u. die literar. Fehden des 18.
Jahrh. in Deutſchland hervorgerufen. Eine Sammlung von F., die ſich
mit den wichtigſten Fragen der Gegenwart beſchäftigen, giebt Fr. v.
Holkendorf u. d. Titel „Zeit- u. Streitfragen“ heraus (Berl. 1870 fg.).
Fluhe od. Uagelfluhe if ein zur ſog. Molaſſegruppe gehöriges,
meiſt graues, dick u. undeutlich geſchichtetes Konglomerat allerhand großer
u. Heiner Geſchiebe mit falfig=jandigem Bindemittel, Beſonders in der
Schweiz ſeßt die F. die nördlichen u. nordwweftlichen Vorgebirge der Alpen
zujammen, mit Unterbrechungen von Lindau big Bonneville in Savoyen,
u. erhebt ſih bis 2000 m. Meereshöhe. Der (ſhweizeriſhe) Name ſoll
eine Aehnlichkeit der rundlichen äußern Mafjenoberflächen der 3. mit den
Köpfen großer Nägel bezeichnen. i
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