364 ll. Das Kohlenlager
Das Braunkohlenflöz der Grube Ludwig bei Frose!) in Anhalt
ist 20 m mächtig, wird aber durch Sandlagen in drei Bänke geteilt.
Durchsetzt wird die Kohle von unregelmäßigen, mehr oder weniger
steilen Klüften, die mit weißem Quarzsand erfüllt sind. Die Breite
dieser Risse schwankt von Messerstärke bis zu zwei Meter. Sie sind
erfüllt mit Schwimmsand und tonigem Sand. Diese „Racheln“ setzen
zum Teil durch das ganze Flöz durch und noch weit in das Liegende
hinein. Da das Flözliegende aus Ton besteht, und unter diesem im
Grundwasser artesischer Druck herrscht, so bildeten diese Racheln
früher eine schwere Gefahr für den Bergbau. Sie haben erhebliche
Störungen des Betriebes herbeigeführt, indem sie zu plötzlichen Wasser-
durchbrüchen aus der Sohle Veranlassung gaben.
In Nordböhmen werden die Braunkohlenflöze im Falkenauer
Becken bei Karlsbad?) von Spalten durchsetzt, die mit Sedimentgestein
ausgefüllt sind. Das Ausfüllmaterial der Spalten stammt aus dem
Hangenden. Es ist Basalttuff oder weißer Ton. Gerade dieser weiße
Ton läßt durch seine Farbe den Spaltenverlauf in der Grube deutlich
hervortreten. Beachtenswert ist es, daß im dortigen harten Agnesflöz
die Kluftränder scharf und glatt sind, während im weichen Josephiflöz
die Kluftränder der Spalten vielfach zerborsten und zerfasert sind, so daß
das weiße Tonmaterial in viele Ritzen und Fugen eingedrungen ist.
Die Entstehung dieser Spalten wird auf tektonische Bewegungen zurück-
geführt.
Die Braunkohlenflöze Schlesiens zeigen nach G. BERG?) bis-
weilen Durchsetzungen von Sand. Eine derartige Sandrachel zieht
sich in der Grube Caroline bei Muskau in diagonaler Richtung durch
die dortigen beiden Sättel als schnurgerade Linie hindurch. Sie reicht
bis zu einer Tiefe von 36 m und ist oben 8 m, unten nur 1 m breit.
Erfüllt ist sie mit scharfkörnigem Sande, der nur wenig Gerölle führt.
Den Charakter dieser Rachel faßt BERG nicht als diluviale Erosions-
rinne, sondern als Ausfüllung einer Spalte auf.
f}) Eruptivgesteine als Spaltenausfüllung
In nordenglischen Kohlenrevieren führen durch die Flöze laufende
Verwerfungsspalten öfters Eruptivgesteine. Diese Eruptivgesteine sind
einst in feurig-flüssigem Zustande auf diesen Spalten aufgestiegen.
?) Handbuch für den Deutschen Braunkohlenbergbau. Halle 1917. S. 115.
Briefliche Mitteilung der Anhaltischen Kohlenwerke vom 6. Aug. 13.
”) A. FRIESER, Das herceynische Kluftsystem in den Kohlenmulden von Falkenau,
Elbogen u. Karlsbad. Österr. Zeitschr. für Berg- u. Hüttenwesen 1914. 8. 225 ff.
®) G. BERG, Die Braunkohlenlagerstätten Schlesiens. In Festschrift zum XII. allg
deutschen Bergmannstage in Breslau. Bd. I. 1913.