Object: Julius Robert Mayers Stellung zur Chemie

Mittasch, Julius Robert Mayers Stellung zur Chemie. 5 
Julius Robert Mayers Stellung zur Chemie; 
von Dr. A. Mittasch. 
  
Wenn in den nächsten Jahren in der Kulturwelt der Name 
Julius Robert Mayer (1814—1878) besonders oft rühmend 
genannt werden wird, zum Gedächtnis seiner Idee von der 
„Unzerstörlichkeit der Kraft‘ bei allen Wandlungen!) und 
seiner Berechnung des mechanischen Äquivalentes der Wärme 
(1840—1842), so wird der Chemiker ein Recht haben, Robert 
Mayer auch für sich mit in Anspruch zu nehmen. Chemische 
Gedankengänge spielen sowohl in der späteren Entwicklung 
seiner Energie-Lehre als auch schon in deren Auffindung eine 
so bedeutsame Rolle, daß es der Mühe wert erscheint, diesen 
Spuren nachzugehen und ein Bild von Robert Mayers Gesamt- 
beziehungen zur Chemie zu entwerfen?). 
I. Robert Mayers 
Kenntnis chemischer Tatsachen. 
In der chemischen Luft der seinem Vater Christian Mayer 
gehörenden Apotheke ‚Zur Rose‘ in Heilbronn aufgewachsen, 
hat R. Mayer schon früh von Männern wie Boyle, Scheele, 
Priestley, Lavoisier gehört, denen sich weiterhin die Namen 
Gay-Lussac, Dulong, Petit, Despreiz, Christian Gottlob und 
Leopold Gmelin, Döbereiner, Berzelius, Liebig, Schönbein u.a. 
zugesellt haben. In der medizinischen Hauptprüfung in Stutt- 
gart 1833 war es die Chemie, in der er die beste Note erhielt 
(in Medizin selbst IIa)®. Seine Inaugural-Dissertation 1838 
  
2) Das Wort ‚‚Kraft‘ gebraucht R. Mayer bekanntlich nicht in dem (heute gültigen) Sinne 
von Descartes und Newton (Masse mal Beschleunigung), sondern in dem Sinne von Leib- 
nizens ‚lebendiger Kraft‘ mv? und deren Äquivalent: Arbeit und Arbeitsfähigkeit; 
die Bezeichnung ‚‚Energie“ ist um 1850 eingeführt von W. Thomson und Rankine (nach 
Th. Young 1817). 
2?) Die Zitierungen beziehen sich durchweg auf J. Weyrauchs Ausgabe von R. Mayers 
Schriften, und zwar Bd. I Mechanik der Wärme, in gesammelten Schriften (1893) und 
Bd. II Kleinere Schriften und Aufsätze (gleichfalls 1893). Bd. I wird mit M.I, Bd. II 
mit M.II bezeichnet. IM: L 8 
 
	        
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