Full text: Handbuch der Bildnerkunst in ihrem ganzen Umfange, oder Anleitung zur Erwerbung der hierzu erforderlichen Kenntnisse und Rathgeber bei den verschiedenen Verfahrungsarten ([Hauptband])

   
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treuer Wiedergabe dem Drnament eine ungemein große 
Zahl neuer Motive zugeführt wurden. 63 entwidelte 
fih eine Ommamentbildung, die mit großer Anmuth in 
der Gefammtanordnung einen Neichthum der Formen 
und dabei doch noch eine Gefeßmäßigfeit der Anord- 
nung verband, welche für den Ornamentbildner die lehr- 
reichſten Beiſpiele bietet. Die Fig. 1 auf Tafel XXV 
giebt das Ornament eines Wandpfeilers der Kirche S. 
Maria dei Miracoli in Venedig, welches in jeder Be- 
ziehung als vortrefflich gelten kann. Die Fig. 2 ebenda 
iſt auh die Füllung eines Pfeilers und zwar einer 
Stütze am Geländer der Rieſentreppe im Dogenpalajt 
zu Venedig. Der Gegenſaß, welcher fich in beiden da- 
dureh ausſpricht, daß bei dem erſteren die Richtung von 
unten nach oben, bei dem anderen entgegengefegt jene 
von oben nad unten gekennzeichnet iſ, wird nur ein 
ſcheinbarer, wenn man berücjichtigt, daß bei der zwei: 
ten, rein deforativen Arbeit auch noch ein Ueberſchuß 
von aufftrebender Kraft angedeutet ift, weil die Stüße 
auch noch den ihr angehängten Schmud zu tragen ver- 
mag. Stalien iſ ſehr reich an Bauwerken und anderen 
Gegenſtänden, welche in ſolcher Weiſe mit Ornamenten 
geſhmü>t ſind. An ihnen, die zum größten Theil in 
Marmor, wohl auch in Holzfchnigerei ausgeführt find, 
muß auch noch die Ausführung bewundert werden, die 
neben der Rückſicht auf körperliche Wirkung eine Zart- 
heit und Weichheit der Formen zeigt, Die jo recht den 
Beweis für das fleißige Naturſtudium und die innige 
Empfindung für die Natur giebt *). Auch die übrigen 
Länder ſind reich an Arbeiten dieſer Art, nur hat ſich 
leider da der Einfluß der Antike weniger lange gehal- 
ten, oder er konnte wohl auh gar nicht ſo ganz frei 
zum Durchbruch kommen , weil der Einfluß der legtver- 
gangenen gerade auch in ornamentaler Beziehung aus- 
*) Siehe des Verfaſſers Ornamente der Renaiſſance aus Jta- 
lien.  Weimax bei B, F. Voigt. 1861. 
     
    
    
   
  
   
   
  
   
   
   
    
   
   
   
  
  
   
  
    
    
   
     
   
  
  
   
   
    
   
   
   
   
  
  
   
	        
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