Französische Malerei.
Freilich macht dieses Bild in seiner stillen Vollendung nicht
jo viel Lärm wie manches andere durch seine einseitige
Bravour =- Tausende gehen vorüber, ohne es zu be-
achten ; das hindert aber nicht, daß es eines der Haupt-
und Kabinetstü>e der zeitgenössischen Malerei ist.
Eine ganz besondere Stellung nimmt „Claude
Gaillard“ (1834--1886) ein, zugleich der größte
Kupfersteher und Radirer unserer Zeit. Wohl merkt
man seinen Oelbildern, von etwas trockener und dürftiger
Farbe, die Hand an, die gewohnt ist, den Stichel zu
führen ; dagegen sind sie erstaunlich durch ihre vollendete
Durchbildung. Man hat nie einen Meister gesehen, der
jv in der Form schwelgt, und zwar nicht in deren Schön-
heit, sondern in der Form an sich. Seine Modelle jind
meisten5 ältere Leute, und die liebevolle Hingebung, mit
welcher er ihre Runzeln behandelt, hat etwas Rührendes.
Man sieht allerding, daß dieser Maler keinem „Ver-
sc<önerungsverein“ angehört und weder hinzuthut noch
wegläßt ; aber gerade diese herzliche Treue gegen die Natur,
welche durch die meisterhafte Wiedergabe zu vollem Aus-
dru> fommt, gibt diesen Bildern einen Reiz der Neuheit.
Es ist, wie wenn man eine sonst gleichgiltige Gegend
plökli< durc< ein Fernrohr sieht und sich nun für hundert
Dinge interessirt, die man vorher nicht wahrgenommen.
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