Full text: Eisen-Französische Kirche (Band 6)

  
  
  
    
  
      
  
  
Eiſenbahnen (Geſchichte). 41 
roßen Vortheil der Eiſenſpuren hingewieſen hätte. 
m Jahre 1767 waren die Eiſenpreiſe ſo niedrig, 
daß das Eiſenwerk Colebrook-Dale ſich veranlaßt 
ſah, eine bedeutende Menge vorräthiges Roheiſen 
in Plattenform herzuſtellen, mit Nagellöchern zu ver- 
ſehen und einen der Spurwege des Werts jo lange, 
bis ſich ſpäter Gelegenheit zu vortheilhafterem Ver- 
kauf des Eiſens finden würde, damit zu belegen. 
Bald zeigte ſich aber, daß auf ſolhen Wegen die 
Laſt, welche ein Pferd bewegen konnte, groß und die 
Unterhaltung ſo wenig foftipielig jei, und es ward 
nun nicht allein bejchlofjen, Diefe Eijenplatten liegen 
zu laſſen, ſondern noch andere dergleichen Bahnen an- 
zulegen. Da ſih aber; auf dieſen Colebrook-Dale- 
Schienen, welche eine konkave Oberfläche hatten, die 
Näder ohneSpurkränze bewegten, ſo kamen die Wü- 
gen leicht von denſelben ab; um dieſem Umſtande 
zu begegnen, gab man 1776 den Schienen an ihrer 
inneren Seite Erhöhungen, durch welche die Kar- 
ren am!’ Gleiſe feſtgehalten wurden. Dieſe Schie- 
nen waxen unmittelbar auf Langhölzer befeſtigt, 
welche wieder auf Querhölzern ruhten. Jm Fahre 
1793 ließ Joſua Burns Steinblöcke ſtatt der Holz- 
unterlagen auf der Lawſon-Mine-Bahn bei New- 
caſtle anwenden und auf dieſen die Schienen mittelſt 
eiſerner Nägel u. Holzdübel befeſtigen. Um an Eiſen 
zu ſparen u. den Schienen doch die gehörige Tragfſä- 
higkeit u. Haltbarkeit nicht fehlen zu laſſen, gab man 
dieſen die Länge der Diſtanz zwiſchen den Stüß- 
punkten. Sie bildeten oben eine gerade Linie, wäh- 
rend ihre untere Seite nach der Linie der größten 
Tragfähigkeit fin Fiſhbauchform gekrümmt war. 
In dieſer Geſtalt fanden die Schienen zuerſt 1800 
Anwendung duch John Outram ‘auf der Little- 
Eaton-Eiſenbahn in Derbyſhire und in größerer 
Ausdehnung auf den Bahnen zwiſchen den Schiefer- 
brüchen jn Schottland. Einige Jahre ſpäter erſt 
fanden die Schienen in derjenigen Form, die ſie zeit- | 
her im Allgemeinen beibehalten haben, Anwendung 
in den Kohlenminen Nordenglands. Dieſe Schie- 
nen waren 4—6 Fuß lang gegoſſen und griffen an 
den Enden, wo ſie auf gußeiſernen Stühlen ruhten, 
über einander... Jn den Stühlen waren ſie mit ei- 
nem durchgehenden Bolzen befeſtigt, während jene 
ſelbſt mit Holzdübelnzund eiſernen Nägeln auf den 
Steinblöden befeſtigt wurden. Die erſte Gijen- 
bahn, die als ſolche 1801 fonceſſionirt wurde, war 
die Surxey-Bahn von 2 deutſchen Meilen Länge. 
Eine zweite von Llanely nah Garrey von 31/2 
deutſchen Meilen Länge wurde 1802 und eine dritte 
von 31/, Meilen Länge von Croydon nad) Goajtone 
in demſelben Jahre tonceſſionirt. Pit Zunahme 
der Laſten und der Schnelligkeit, mit welcher dieſe 
transportirt wurden, zeigte ſich das Gußeiſen wegen 
ſeiner Sprödigkeit weniger zur Konſtruktion von 
Schienen geeignet, und man richtete Daher jehr 
bald das Augenmerk auf das zähere, weniger dem 
Bruche ausgeſezte Schmiedeeiſen, welches ſeit 
1808 auf einigen Bahnen zu Schienen verwendet 
ward, ebenfalls noh mit rehte>igem Querſchnitt, 
da die Technik damals noch nicht verſtand, die 
Schienen in beſſerer Form zu walzen. Erſt 1820 
wurden die erſten Schienen mit der Querſchnitts- 
form eines Bilzes durch John Berkin3haw auf dem 
Bedlington-Eiſenwerke bei Durham in einer Länge 
von 15 Fuß gewalzt. Auch dieſe Schienen legte man 
noch in gußeiſerne Stühle und befeſtigte ſie auf 
  
  
Blöden oder Duerfchwellen, doch war damit bie 
Grundlage für alle ſeitdem in Aufnahme gefomme- 
nen Oberbauſyſteme gewonnen. Die Fuhrwerke 
waren, ſo lange ſie auf gußeiſernen Schienen liefen, 
flein, und die Laſten wurden auf größere Längen 
vertheilt, auch die einzelnen Räder niht ſehr be- 
laſtet. Lettere waren von Gußeiſen Und auf 
den Axen befeſtigt, welche fich in Büchſen drehten, 
die am Karren befeſtigt waren. Nach der Anwen- 
dung der Schienen von Schmiedeeiſen, welches die 
Räder fchneller abnuste, erfand man die Kunſt, die 
Radreifen hart zu gießen. Die Bauart der Wägen 
wax urſprünglich roh, und Perſonen transportirte 
man zu jener Zeit auf E. noh niht. Die Wägen ruh- 
ten auch nicht auf Federn, bevor andere Lofomotions- 
mittel als Menſchen und Pferdekräfte in Anwen- 
dung gebracht wurden. Dieſe beiden Kräfte waren 
urſprünglich die alleinigen, womit das Fuhr- 
werk auf E. in Bewegung gejegt wurde, und zwar 
zunächſt nur bei der Thalfahrt. Da, wo Menſchen- 
und Thieckräfte bei der hohen Steigung wenig wir- 
ken konnten , richtete man es ſo ein, daß immer 
ein herabrollender Schwerer Zug auf der einen Seite 
den auf der entgegengejegten Seite zu bemegen- 
den leichteren Zug mit hinaufzog.“ Auch wurden 
an ſolchen Stellen damals jchon ftehende Dampf- 
maſchinen in Anwendung gebracht. Jn den Koh- 
lendiſtrikten von Wales und Schottland gab es in 
den erſten Jahren dieſes Jahrhunderts Einrichtun- 
gen, wobei Dampfmaſchinen mittelſt Ketten oder 
Seilzüge, die ſich auf Trommeln widelten, die Wä- 
gen auf ſteilen Steigungen emporſchafften. Auf 
bewegliche Dampfmaſchinen zur Fortbewegung von 
Wägen auf E. nahm zwar ſhon 1784 Watt ein 
Patent, allein deſſen Erfindung ſcheint nirgends 
zur Ausführung gekommen zu jein, denn die erſte 
wirklich nuzbare Lokomotivmaſchine kam erſt 1805 
auf dex Bahn Merthyr Tydoil zur Anwendung. 
Dieſelbe wax von Trevethik und Vivian gebaut 
und 1802 patentirt worden. Schon dieſe Maſchine 
zeigte faſt alle weſentlichſten Theile der jegigen 
Lokomotiven und bewegte ſi<h auch ohne gezahnte 
Radreifen auf den Schienen. Die damaligen Tech- 
nifer konnten ſich niht von dem Vorurtheil los- 
machen, daß die Haftungskraft der glatten Räder 
auf den Schienen nicht ausreiche, um mit ſhweren 
Wagenzügen ſteile Steigungen zu überwinden, und 
bemühten ſi<h daher über 14 Jahre hindurch, 
eine Maſchine zu erfinden, deren ſtärkere Haftungs- 
kraft die Befahrung ſolcher Steigungen möglich 
machen ſollte. Trevethik ſelbſt Eonftruirte neben den 
Schienen noch eine Holzbahn, in welche vorragende 
Nagelköpfe der Räder eingreifen und ein Zurüc- 
laufen derſelben verhindern ſollten. Blenkinshaw 
erhielt 1811 ein Patent auf eine Maſchine, die mit 
einem ſolchen verzahnten Nad verſehen war. Ein 
Jahr ſpäter glaubte Chapman das Ziel der au3- 
reichenden Haftungsfraft glatter Räder auf Schie- 
nen dux eine Vermehrung dex Treibräder zu er- 
reichen und brachte deren Zahl auf 8, ſowie zu 
derſelben Zeit die Ingenieure Gordon und Gurney 
eine Art Lokomotive mit mechaniſchen Beinen kon- 
ſtruirten, dur< welche die Maſchine vorwärts ge- 
ſchoben wurde, indem die Beine abwechſelnd treibend 
auf den Weg zwiſchen den Schienen ſtemmten. Erſt 
1814ließ derVater des geſammtenEiſenbahnweſens, 
N 
Georg Stephenſon, auf den Kohlenbahnen ir 
  
   
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
     
 
	        
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