Vorwort des Herausgebers 2:3
Produktion der vierziger Jahre den Plan faßte, eine Neihe von kultur-
geschic<htlihen Schilderungen aus dem Mittelalter zu schreiben, vorerst eine
Schilderung der spätern römischen Kaiserzeit zu bieten, ihr in einer Dar-
stellung des 8. Jahrhunderts die nächste Folge zu geben, mit dem Leben Karls
des Großen als Höhepunkt, und so in gewiß wohlüberlegter Auslese bis an
das Ende des Mittelalters vorzuschreiten. Von diesem großen kulturgeschicht-
lichen Plan ist nur Anfang und Schluß verwirklicht worden: „Die Zeit
Constantins des Großen“ und „Die Kultur der Renaissance in Italien".
Es sind äußerliche und innere Gründe gewesen, die ihn diesen mittelalterlich-
Fulturhistorischen Plänen entfremdet haben. Diesen Plänen entsprach aber
durc<aus der Stoff- und Motivengehalt seiner Vorlesungen in der Zeit
von 1844 bis 1855.
Zu einer zweiten Periode können die Jahre 1858 bis 1868 zusammen-
gefaßt werden. Die volle Lehrverpflihtung, die ihm das Ordinariat im
Sommer 1858 brachte, hat sich natürlich ausgewirkt im Sinne einer Kon-
zentration der Vorlesungen auf die wesentlichen Stoffgebiete und die großen
Perioden der Weltgeschichte; damit war sachgemäß auch der weitere Aus-
bau der bigherigen Vorlesungen nahegelegt. Eine erste Ausscheidung und
Umgruppierung hat bis in die Jahre 1868 bis 1870 hinein stattgefunden.
Dabei ist auffallend, wie die „Alte Geschichte“ einigermaßen zurücktritt;
nur dreimal hat er sie in diesem Zeitraum gelesen, und nur einmal speziell
Römische Geschichte“. Auf das Mittelalter verlegt er in dieser Zeit immer
noc< ein gewisses Gewicht; er liest jeßt no<Mm „Über die Kultur des Mittel-
alters“, und darunter ist wesentlich zu verstehen eine Kulturgeschichte (mit
gelegentlich politisch-geshic<htlihem Einschlag) vom 4. zum 13. Jahrhundert.
Daran hat sich angeschlossen eine „Geschichte der lekten Jahrhunderte des
Mittelalters" mit vorwiegend politischem Gehalt. Aber jekt beginnt doch
immer stärker und entschiedener den forschenden und lehrenden Bur&hardt
die Geschichte der neuern Zeit zu fesseln; sie sekt bei ihm etwa 1450 oder
1494 ein und wird vorerst in nur zwei Kursen, aber öfters gelesen als
„Neuere Geschichte bis ans Ende des Siebenjährigen Krieges" und dänn
als „Geschichte des Revolutiongzeitalters (1763 -- 1815). Selbstverständ-
lich gehörte diese neuere Geschichte zum gebotenen Lehrbereich Bur>hardts.
Aber es ist do< unverkennbar, daß darüber und über das ursprüngliche
Interesse an der geschichtlichen Kontinuität hinaus Burchardt an diese
jüngern Jahrhunderte immer stärker herangeführt wird durc< den Reiz
der Aktualität, durch die nähern Beziehungen, die sie zu seiner Gegenwart
besaßen.
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