V. Die Sonne
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daß der Spiegel G durch ein reflektierendes Diffraktionsgitter ersetzt werden
kann; durch diese Anordnung wird natürlich eine beträchtlich größere Zer
streuung erzielt, die für manche Zwecke vorteilhaft ist.
Die Einrichtungen, welche den Apparat von einem gewöhnlichen Spektro
skop unterscheiden, sind nun die folgenden: Dicht vor der photographischen
Platte F ist ein Metallschirm angebracht, in dem ein feiner Spalt von der
gekrümmten Form der zu benutzenden Spektral-
-F S linien (vgl. Abb. 33) eingeschnitten ist; dieser
Schirm ist verschiebbar und kann so gestellt
werden, daß er genau mit der Spektrallinie H
oder K koinzidiert. Dann ist alles Licht bis auf
dasjenige dieser Linie abgeschnitten; dieses kann
durch den Spalt hindurch auf die photographische
Platte gelangen. Durch den Refraktor werde nun
Abb. 133. Spektroheliograph.
Schematische Skizze.
L. Z„
Abb. 134. Entstehung des spektrohelio-
graphischen Bildes.
das Sonnenbild (Abb. 134 rechts) auf den Spalt des Spektroskops Sj projiziert;
die Sonnenscheibe enthalte zwei Stellen, welche die Kalziumlinie hell geben
(schraffiert angedeutet). Dann müssen (Abb. 134 links) auf der photographi
schen Platte entsprechend zwei Linienstücke des Spaltes Sj abgebildet werden.
Würde der Spalt bis S 2 verschoben, so wäre nur das eine obere Linienstück
von S. 2 in ¿2 aufgenommen worden. Die hier angedeutete Verschiebung des
Spaltes über die Sonnenscheibe geschieht nun beim Spektroheliographen in
ganz kontinuierlicher Weise, indem durch langsame Drehung des Fernrohrs
um die Deklinationsachse das ganze Sonnenbild über den Spalt hinweg
geführt wird, während die photographische Platte sich gleichzeitig mit ge
nau derselben Geschwindigkeit hinter dem zweiten Spalt verschiebt. Das
Resultat ist eine getreue Abbildung aller derjenigen Stellen der Sonnen
scheibe, die die Kalziumlinie hell zeigen, d. h. ein Kalziumbild der Sonne,
auf dem man tatsächlich nur den glühenden Kalziumdampf in der Sonnen
atmosphäre sieht. Es ist klar, daß man nach dieser Methode auch andere
monochromatische Bilder der Sonne erhalten kann, sofern die betreffenden
Linien überhaupt stellenweise hell erscheinen, wie das z. B. bei Wasser
stoff sowie einigen Eisen- und Kohlenstofflinien der Fall ist.
Abb. 135 gibt eine Ansicht des großen Spektroheliographen der Yerkes-
sternwarte in Amerika, der am Okularende des großen 102 cm-Refraktors
von 19 m Länge angebracht ist. Welche außergewöhnlich großen Dimen
sionen dieser Apparat besitzt, wird man leicht aus der Angabe ersehen,