VII. Die Fixsterne, Nebelflecke und Sternhaufen
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reits zu und schon die größere Anzahl von Übergängen nach den Helium-
(B-)Sternen zu beweist, daß wir es hier mit Himmelskörpern zu tun haben,
die im wesentlichen bereits als Sterne anzusprechen sind.
Man bezeichnet diese Klasse auch als den WoLF-RAYETschen Typus, weil
diese beiden Beobachter 1867 zuerst die Charakteristik der Spektra bei drei
im Sternbild des Schwanes gelegenen Sternen erkannt haben. Es sind jetzt
etwa 100, bis auf eine Ausnahme (y Argus) schwache Sterne der Klasse O
bekannt. Früher rechnete man aus formalen Gründen auch die Neuen Sterne
hinzu; nachdem deren Spektra aber genauer erforscht sind, ist es nicht mehr
statthaft, sie in die gleiche Klasse einzuordnen.
Stellt man die O-Sterne nach ihren Örtern zusammen, so ergibt sich wieder
einmal mit auffallender Deutlichkeit, daß sie sich mit Ausnahme einer Gruppe
von 21 Gliedern, die der Großen Kapwolke angehört, durchweg in der Milch
straße, und zwar in nächster Nähe des galaktischen Äquators befinden. In
etwa 65% aller Fälle kommen galaktische Abstände zwischen 0 und 2° vor,
so daß man sehr wohl die Lage der Milchstraßenebene aus den Örtern der
O-Sterne ableiten kann. Eine weitere Eigentümlichkeit besteht in der ausge
sprochenen Gruppenbildung dieser Sterne. Es sind dabei drei große Grup
pen zu erkennen: 15 Sterne innerhalb eines Milchstraßenstückes von 5%°
Länge in Argo, 8 Sterne innerhalb 5° in Norma und 8 Sterne innerhalb 8°
im Cygnus.
Die Beobachtung der WoLF-RAYETSterne ist seit Vervollkommnung der
optischen Instrumente sehr wesentlich gefördert worden. Die ältesten Be
obachtungen sind diejenigen von Vogel, der sie zum Teil an dem großen
Wiener Refraktor angestellt hat. Es folgen dann die visuellen Messungen
Campbells aus dem Jahre 1894 und neuerdings die weit genaueren photo
graphischen Untersuchungen von E. Pickering, Wright und M. Wolf, die
unsere Kenntnisse über diese Spektralklasse sehr wesentlich gefördert haben.
Danach darf man wohl annehmen, daß die Spektra der O-Sterne sich we
niger durch Verschiedenheiten der Linien selbst als durch merkliche Abwei
chungen in der Wellenlänge identischer Emissionen unterscheiden. Die
Wasserstoff- und £ Puppis(Helium-)serie ist stets vertreten. Neben schwä
cheren Emissionen ragen daneben durch ihre Intensität noch Linien bei
A 4690, 4060 sowie eine kräftige Absorption bei A 3868 hervor. Letztere
fällt merkwürdigerweise fast genau mit der Wellenlänge der dritten hellen
Nebuliumlinie (A 3869) in den Spektren der Gasnebel und der Neuen Sterne
zusammen (Abb. 237). Daß auch sonst zwischen den Nebeln und den
O-Sternen ein enger Zusammenhang besteht, hat Wright nachgewiesen; er
hat festgestellt, daß die Kerne der meisten Planetarischen Nebel mit den
WoLF-RAYETsternen eng verwandt sind.
Das von den anderen Sternen so abweichende spektrale Verhalten der
O-Sterne bedarf natürlich einer Erklärung.
Stützt man sich allein auf das KmcHHOFFSche Gesetz, so hängt der Um
stand, ob ein Stern helle oder dunkle Linien hat, nur davon ab, ob die
oberhalb der Photosphäre befindlichen Gasschichten eine höhere oder nie
drigere Temperatur als die Photosphäre besitzen. Dies zur Erklärung der
hellen Linien bei den O-Sternen heranzuziehen, widerspricht aber unseren
ganzen physikalischen Anschauungen, denn es setzt Körper voraus, bei denen