II. Die Spektralanalyse
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lung der Spektraltypen handelt, so kann die Dispersion recht klein genom
men werden, womit eine sehr große Lichtstärke erreicht wird. Das große
Gesichtsfeld gewährt hierbei den sehr wichtigen Vorteil, gleichzeitig sehr viele,
unter Umständen Hunderte von Sternspektren auf einer Platte aufzunehmen,
deren Identifizierung nachher keine Schwierigkeit bietet, da sie die voll
ständige Konstellation der betreffenden Himmelsgegend wiedergeben. Es wird
hierdurch ein außerordentlicher Gewinn an Zeit erzielt.
Die Okularspektroskope sind in ihrer Anwendung jedenfalls die bequemsten
Sternspektroskope, die man konstruiert hat. Sie besitzen große Lichtstärke
und geben auch bei schwächeren Dispersionen recht scharfe Spektra, nur
sind sie für feinere Messungen nicht geeignet. Aus dem Grunde gibt man
ihnen selten große Dispersion und benutzt sie vorwiegend nur, um den all
gemeinen Charakter der Spektra zu erkennen. Man verwendet für sie aus
schließlich Prismensysteme mit gerader Durchsicht, schon aus dem uns be
reits bekannten Grunde, daß bei dem vom Objektiv des Fernrohrs kom
menden stark konvergenten Strahlenbündel diese Prismen keinen merklichen
Astigmatismus geben, also eventuell auch ohne Okular verwendbar sind.
Bei dem Okularspektroskop ist die übliche Reihenfolge der optischen Teile
die folgende: Objektiv des Refraktors, Okular, Prismensystem, Zylinderlinse.
Man kann dabei das Prismensystem nebst Zylinderlinse, in eine Hülse ge
faßt, einfach auf das Okular aufsetzen und wieder abnehmen. Die Dimensionen
dieser Teile können sehr klein genommen werden, da die Breite des aus
dem Okular austretenden Lichtbündels eine geringe ist, nämlich niemals größer
als die Pupillenöffnung des menschlichen Auges bei schwachen Lichtein
drücken, also höchstens etwa 8 Millimeter.
Die Leichtigkeit, die Hülse mit Prisma und Zylinderlinse sofort abnehmen
oder aufsetzen zu können, gewährt den außerordentlichen Vorteil, zu unter
suchende schwächere Sterne ohne weiteres in die Mitte des Gesichtsfeldes
bringen und sie dann nach Aufsetzen der Hülse spektroskopisch beobachten
zu können, wodurch Schwierigkeiten in der Identifizierung der Sterne oder
Verwechslungen ausgeschlossen werden. Die Orientierung innerhalb der
Sternspektra erfolgt bei Okularspektroskopen am einfachsten durch eine
Millimeter- oder Wellenlängenskala, die seitwärts in fester Lage angebracht
und an der vorderen Prismenfläche ins Gesichtsfeld total reflektiert wird.
Beim Objektivprisma, bei dem die Spektra neben- und z. T. übereinander-
liegen, haben E. Pickering, Schwarzschild u. a. versucht, durch Vorschalten
von lichtdurchlässigen aber einzelne Spektralgebiete scharf absorbierenden
Filtern, z. B. Neodymglas, das sehr charakteristische und dabei nicht zu
zahlreiche Absorptionslinien liefert, die erforderlichen Anschlußpunkte zu
schaffen.
Die visuelle Beobachtung der Sternspektra ist durchaus kein leichtes Ar
beitsgebiet, besonders an Abenden mit starkem Funkeln der Sterne, das ja
mit einem ständigen Farbenwechsel verknüpft ist. Dieser Farbenwechsel be
steht in einem je nach dem Luftzustande und je nach der Höhe des Sterns
über dem Horizonte verschieden schnell aufeinanderfolgenden Aufblitzen des
Sterns in den Spektralfarben, wobei zuweilen das Licht zwischen zwei Far
ben völlig erlischt. Hierdurch erscheinen die verschiedenen Farben des Spek
trums hintereinander in rasch wechselnder Helligkeit, was im Spektroskop