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ten können. Um so weniger wird dieß der Fall sein, wenn eine
bestehende Brauerei mit einem nicht unbedeutenden Mehrauf-
wande an Kosten in eine Dampfbranerei des obigen Systems
umgewandelt werden soll, weil dann die möglichen Ersparnisse
gegen das landesübliche Verfahren von den Interessen des ver
größerten Anlagecapitals der Brauerei wieder aufgezehrt wer
den, und man dieselben Vortheile mit viel geringe
rem Kostenaufwande durch einfache Verbesserung
des Verfahrens mit der Pfanne auch erreichen kann.
Von wirklichem Vortheil in Bezug auf Zeit-, Arbeits- und
Brennstoff-Ersparniß zeigt sich nur die eigenthümliche Modifica
tion in der Dampfbrauerei, wobei der Wasserdampf, welcher
sich beim Kochen der Würze mit Hopfen entwickelt und wozu
nahe die Hälfte an Brennstoff zum Gebräue aufgewendet wird,
für die Zwecke des Bierbrauens, und zwar sowohl zur Erhiz-
zung der Meische bis 60° R. und später darüber, als auch zu
jener des Nachgnßwaffers wieder in Verwendung kommt, und
um dieß zu erzielen, ist es nothwendig, die Kochung der Würze
in einem geschlossenen Kessel vorzunehmen, den Dampf derselben
aber abwechselnd in die Meische und in das Nachgußwasser zu
leiten. Zu diesem Behufe werden um den geschlossenen Brau
kessel mehre kleinere Meischbottiche und ein Nachgußbottich auf
gestellt, der Braubetrieb aber ohne Unterbrechung durch den
ganzen Tag und nach Umständen selbst durch Tag und Nacht
die ganze Woche hindurch fortgesetzt; die zweiten und dritten
Würzen werden zum Einmeischen des Malzschrotes in dem
nächstfolgenden Meischbottich verwendet und dadurch ihre Con-
centrirung kostenfrei bewirkt. Nur die ersten Würzen werden
jedesmal im geschlossenen Braukessel mit Hopfen gekocht. So
wie aus dem Meischbottich die letzte Würze abgeflossen ist, wer
den die Treber herausgeworfen, der Bottich gereinigt, und so
wie die Reihe an ihn kommt, wieder zum Einmeischen verwen
det. Vier bis fünf um den Braukessel aufgestellte Bottiche
dürften hierfür genügen. Die Vortheile dieses Verfahrens sind:
s. Geringster Aufwand von Brennstoff und Zeit, indem
dabei nur jene Wärme (Brennstoff) verloren geht (in den heißen
Trebern, in der gekochten Würze auf den Kühlschiffen), welche
anderweitig nicht mehr benützt werden kann und die unvermeid
lichen Wärmeverluste überhaupt auf ein Minimum zurückgeführt
werden.