Gürtelhochflut. Höhe der Flutberge, kürzere Monate, längere Tage. 121
dem jetzigen Zustande entsprechende gewesen sein, wenn er auf
die gleiche Entfernung wie der heutige Mond herangekommen
war.
1. Verhalten des Wassers.
Es ist bekannt, daß eine Kugel, welche an einem Faden be
festigt ist und in Umschwung versetzt wird, schneller oder lang
samer ihren Kreis durchläuft, je nachdem der Faden kurz oder
lang ist. So muß sich auch beim Mond, sobald er der Erde näher
kommt, die Umlaufzeit verkürzen; sein Einfluß auf das Wasser
wächst dabei dem Gesetz der Schwere entsprechend. Ze mehr er
sich der Erde nähert, um so höher müssen die Flutberge werden,
und dieses gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis ist in Figur I der
Tafel VII in verschiedenen Stufen zum Ausdruck gebracht, wobei
wir an der Vorstellung festhalten, daß es sich um einen früheren
Mond handelt, der ja auch einmal eine Entfernung von ungefähr
60 Erdradien (von jetzt ab als E.-R. bezeichnet) gehabt hat. Die
entsprechende Stellung ist nicht gezeichnet, da sich der Unterschied
gegenüber dem Zustand in einer Entfernung von zo E.-R.
in dem kleinen Maßstab zeichnerisch nicht ausdrücken läßt. Für
diese wie auch für die folgende Stufe konnte der Mond noch
nicht in maßstäblicher Entfernung eingetragen werden, weil die
Größe der Tafel dies nicht gestattete, wie schon an anderer
Stelle gesagt, ist der Wasservorrat der Erde verhältnismäßig ge
ring; er reicht aber aus, um bei den drei Mondentfernungen von
60 , 30 und 17,7 E.-R. noch einen geschlossenen wasserring um
die Erde zustande kommen zu lassen. Bedenkt man aber,
daß die Anziehungskraft des Mondes bereits in einem Abstand
von 17,7 E.-R. eine die jetzige 40 mal übertreffende Fluthöhe her
vorruft, so wird man fühlen, daß bei noch größerer Annäherung
eine andere Verteilung des Wassers auf der Erde eintreten muß,
wie es aus den Stufen III und IV der Abbildung hervorgeht.
Die Reihe z zeigt von oben nach unten die verschiedenen
Mondabstände, Reihe 2 die davon abhängige Dauer der Um
laufzeiten oder die Dauer der kürzer werdenden Monate. Die
Erde rollt gleichsam dem vom Mond beeinflußten wasserringe
entgegen, und je höher die Flutberge werden, um so größeren