Magen- und Darmblutung. Es:
um ein gewisses Aufsehen zu erregen, (besonders bei Hysterischen) Si-
mulirt oder künstlich hervorgebracht werden, auch wohl mitunter unab-
sichlliche Täuschungen der Kranken vorkommen, so ist es in jedem irgend
zweifelhaften Falle der Art die Pflicht-des Arztes, sich von der Wahrheit
- des Thatbestandes zu überzeugen, und man wird durch genaue Beaufsich-
tigung des Kranken, durch chemische und mieroscopische Untersuchung
des Entleerten leicht Täuschungen, die durch herabgeschlucktes Thierblut,
rothgefärbte Flüssigkeiten und Speisen, oder durch Saugen an blutenden
Stellen des Mundes, bei Säuglingen durch das Saugen an wunden Brusi-
warzen (auch beim Durchgange durch die Scheide im Geburtsacte soll
Blut in den Magen gelangen können), bedingt sind, vermeiden hönnen.
Auch bei den Darmexereten könnnen Zweifel über das Vorhandensein von
Blut entstehen, und zwar kann sowohl die dunkle Farbe zur irrigen An-
nahme eines solchen verleiten, als auch im Gegentheile wirklich vorhan-
denes Blut übersehen und die Färbung irrthümlich anderen Momenten,
(Ueberschuss von Gallenfarbstoff, Beschaffenheit der Nahrung, langes Ver-
weilen im Darm u. s. w.) zugeschrieben werden. Auch hier muss beson-
ders die mieroscopische Untersuchung entscheiden; bei schwärzlichen sey-
balösen Massen, wo ein derartiger Irrthum besonders leicht möglich ist,
belehrt oft schon das blosse Schlemmen mit Wasser, das bei Gegenwart
‘von Blut eine entschieden röthliche Farbe annimmt.
Ferner entstehen oft dadurch Täuschungen, dass bei Blutungen der
Nasen- oder Rachenhöhle, manchmal auch des Oesophagus, das Blut
nicht selten ohne Wissen der Kranken geschluckt, dann durch Erbrechen
oder mit den Stühlen entleert wird und so zur Annahme einer Magen-
oder Darmblutung verleitet. In einem solchen Falle muss sich die Diagnose
aus der genauen Untersuchung der betreffenden Organe, den anamnesli-
schen Momenten und der Abwesenheit jener Erscheinungen, die auf eine
intestinale Erkrankung schliessen lassen, ergeben, wobei jedoch zu berück-
sichtigen, dass das herabgeschluckte Blut nicht selten cardialgische oder
kolikarlige Schmerzen und Verdauungsstörungen erregt. ‚Am häufigsten
aber wird das Bluierbrechen mit dem Bluthusten verwechselt, wozu meh-
rere Momente mit beitragen. So kommen beim Bluthusien in der That,
wie bei hefligerem Husten überhaupt, sehr häufig gleichzeitige Brechbewe-
gungen, iheils auf consensuellem Wege, theils durch wirklich herabge-
schlucktes Blut zu Stande, eben so treten, wie schon oben erwähnt, beim
Blulbrechen ganz gewöhnlich Hustenanfälle ein, der Sprachgebrauch be-
zeichnet meist auch die Haemopto& als Blutbrechen, und es ist selbst bei
Gebildeten nicht immer leicht über das eigentliche Verhältniss in’s Klare
zu kommen. Es wird wohl jedem praktischen Arzte schon mehrmals be-
gegnet sein, dass er nach langem Examen doch nicht zu bestimmen im
Stande war, um welchen dieser beiden Zustände es sich eigentlich han-
delte. Oefters gelang es mir noch auf die Weise Rath zu schaffen, dass
ich den Kranken jenes Manoeuvre wiederholen liess, unter welchem das
Blut entleert ward, wo dann in einem Falle deutliche Würgebewegungen,
im andern Räuspern oder Husten zum Vorschein kömmt; — bei ‚der Ver-
worrenheit selbst über die gewöhnlichsten medieinischen Begriffe und
Ausdrücke besonders bei dem ungebildeten Publikum ist es leider oft
nothwendig zu solchen handgreiflichen Experimenten seine Zuflucht zu neh-
men, wenn man sich nicht den grössten Täuschungen aussetzen will. Wei-
tere Anhaltspunkte zur Unterscheidung zwischen Haemopto& und Haemate-
mesis sind:
Bei Haemopto&: anamnestiische Momente eines Brustleidens, unmittel-
bar vor dem Anfalle: Gefühl von Völle, Druck, Wärme in der Brust, Reiz