Kahlbaums Persönlichkeit
von
Paul W. Schmidt in Basel.
Hgon Georg Kahlbaums Persönlichkeit soll hier in erster Linie
berichtet werden. Also von „dem Menschen mit seinem Wider
spruch“. Da denkt man gern an die Familienursprünge eines
solchen Charakters, wenigstens an einige hervorstechende Person
typen der voraufgegangenen Generationen. Die Hauptkennzeichen
dieser Menschen, wie farbige Glasstücke von Kindern in ihrem
Kaleidoskop zusammengeworfen — da hat man das neue Bild des
Nachkommens am ehesten verständlich beieinander; eine oder die
andere neu hinzukommende Eigenheit natürlich nicht ausgeschlossen.
Kahlbaums Großvater väterlicherseits war der Begründer der
Destillation und Spritfirma C. A. F. Kahlbaum, Münzstraße 19, in
Berlin. Ein Begründer von recht bescheidenen Anfängen; doch von
solchen, an die schon der Sohn, Wilhelm Kahlbaum, mit soviel
Glück anknüpfen konnte, daß unter seiner fleißigen Leitung und
Förderung daraus ein Haus von anerkannt erstem Namen im Fache
der Spiritusrektifikation erstand. Da mußte gewiß vom ersten
Geschäftsleiter ganz solid und sehr ernsthaft vorgearbeitet gewesen
sein. Doch sah man diesen alten Herrn fast niemals anders als in
humorvoller Heiterkeit; stets geneigt, Leute, die er schätzte und
mochte, schelmisch zu necken; scheinbar nur der Spaß- und Sonnen
seite des Lebens zugewandt; trotz vieler körperlicher Altersübel, die
er ganz in der Stille trug, niemals für schwerere Akzente der
Unterhaltung zu haben. Einmal, im damals Kahlbaumschen Land
haus zu Wipkingen bei Zürich, an einem wundervollen Abend des
Spätjahres 1866, als er sich allein im Hause wähnte, da hörte man
ihn, wie er am weitgeöffneten oberen Flurfenster mit Einem feierlich