Kahlbaums Persönlichkeit.
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leisten, was er. Daß Kahlbaum überhaupt nach Basel kam, zu
nächst auf einige Jahre, dann für immer und zwar ihm selbst und
der ihm so ans Herz gewachsenen Basler Universität zum Vorteil,
das hatte seinen ersten treibenden Grund in einem reinen Freund
schaftsmotiv. Es galt ihm, einem älteren Freunde dort dauernd
nahe zu sein, der eine schwere Krankheit hinter sich hatte und
im einstweilen fremden Lande vielleicht noch dann und wann eine
vertraute Hand zur Hilfe nötig haben konnte. Eines Abends hatte
dieser, als Dekan seiner Fakultät, die Rede zu beantworten, welche
der Sprecher der Studentenschaft beim Fackelzug am Centenarium
eines Basler Gelehrten halten würde. Auf dem Wege zum Rede-
aktus fand der, gesundheitlich noch immer unsichere Freund seinen
Georg Kahlbaum ganz unbestellt bereitstehen: „Ich gehe ein paar
Schritte hinter dir her; du mußt ungestört sein, aber so allein
darfst du nicht hingehen.“ Einem Freunde stirbt die Gattin, wo
vergeblich für sie Heilung erhofft war, in Locarno; Kahlbaum steckt
an dem Tage tief drin in Schwarzwaldeinsamkeit. Aber morgens
um 5 Uhr ist er am Tage der Bestattung doch in Locarno, dem
Freunde zur Seite zu stehen und ihn „über Wasser“ zu halten.
Einen anderen Freund, der den begreiflichen Weg von Trigeminus
neuralgie zu Morphiomanie und von da zu Halluzinationszuständen
durchgemacht, holt er auf dessen flehentliche Bitten in eisiger
Winterszeit persönlich von Neapel nach Basel und quartiert ihn in
seinem Gastzimmer ein. Gegen Mitternacht erscheint der kranke
Freund an Kahlbaums Lager, links einen Dolch, rechts einen ge
ladenen Revolver in der Hand: „Du erlaubst doch, lieber Kahlbaum,
daß ich die Nacht bei dir sitze; die Leutchen gegenüber trachten
mir ja nach dem Leben.“ „Eine recht nette Nacht“, sagte mir
Kahlbaum am folgenden Morgen; „aber der arme Kerl kam doch
schließlich zur Ruhe.“ —
Dann traten die trüben Zeiten der Krankheit ein, in denen
auch wir Freunde zurückstehen mußten: von sich aus zu zeigen,
wie anhänglich er blieb, dazu reichte es nicht mehr aus. Allen
Ausdruck seiner Liebe wandte er schließlich den beiden obersten
Gegenständen seines Enthusiasmus zu: seiner Wissenschaft, in deren
Dienst er bis zu seinem letzten Atemzug den Rest von Kraft und
freier Zeit mit peinlicher Strenge Tag für Tag neu einteilte und
— seiner Mutter. Ostern 1903 machte er es möglich, mit dieser