2. Hydrataraine.
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keine, deren chemische Structur vollkommen bekannt wäre.
Die Ursache hiervon liegt einerseits in der bedeutenden Com-
plication der Molectile der meisten pflanzlichen Alkalien, andrer
seits, und zwar hauptsächlich, in der ungenügenden Kenntniss
solcher Reagentien undReactionen, diees ermöglichen, den Stick
stoff zu eliminiren und, ihn durch univalente Atome substituirend,
alle kohlenstoffhaltige Gruppen auszuscheiden, die durch Stick
stoff gebunden waren, ohne auch nur eine derselben zu zer
stören, auch selbst dann nicht, wenn diese Gruppen aus an
dern , mittelbar durch Sauerstoff vereinigten Radicalen be
ständen.
In den Alkaloiden, sowie in den künstlichen Aminen, ent
spricht die Säurigkeit, grösstentheils, jedoch nicht immer, dem
Stickstoffgehalt im Molecül. Einige von ihnen (Coniin, das
Alkaloid des Schierlings; Nicotin, das Alkaloid des Tabaks u. a.)
enthalten keinen Sauerstoff, und solche sauerstofffreie Alkaloide
sind gewöhnlich flüchtig; die bedeutende Mehrzahl der Alka
loide jedoch (die Alkaloide des Opiums: Morphin, Codein, Pa
paverin u. a., die Alkaloide der Strychnosarten: Strychnin,
Briicin u. a., die Alkaloide der China: Chinin, Cinchonin u. s. w.)
sind sauerstoffhaltig, und zeichnen sich , ähnlich den Hydrat
aminen, durch Nichtflüchtigkeit aus. Es liegt jedoch kein Grund
vor, zu glauben, der Sauerstoff sei in den Alkaloiden stets in
Gestalt von Wasserresten enthalten. Abgesehen davon, dass
einige dieser Körper Oxyde oder Hydrate substituirter Ammo
niumverbindungen sein können, so ist das Vorkommen von
Sauerstoff in Körpern des Ammoniaktypus auch in den sub-
stituirenden Radicalen selbst denkbar, in denen er als Bestand-
theil des einheitlichen Radicals oder als bindendes Element
verschiedener Theile eines nicht einheitlichen Radicals auf-
treten kann. In der That, obgleich Ammoniakderivate mit
sauerstoffhaltigen Radicalen (Amide, s. oben) im Allgemeinen
keine ausgesprochenen alkalischen Eigenschaften äussern, so
giebt es doch Ausnahmen, besonders da, wo ausser Oxykohlen-
wasserstofifradicalen auch noch Kohlenwasserstoffradicale vor
handen sind, w 7 o also die Körper die Mitte zwischen eigent
lichen Aminen und eigentlichen Amiden einnehmen. — Da man
sich beim Zuzählen von Substanzen zu den Alkaloiden ge
wöhnlich durch ihre Fähigkeit, Säuren zu sättigen und Salze zu
bilden, leiten liess und auch jetzt noch leiten lässt, so ist ein