20
Salpetersäure
• In einem Probierglase übergieße man etwas Kaliumnitrat („Sal
peter“) eben mit konzentrierter Schwefelsäure und erwärme. Es tritt
Aufkochen ein, und Salpetersäure destilliert in den oberen Teil des
Probierrohrs, verdichtet sich an den Wänden und rinnt an ihnen herab.
Etwa 1 cm 3 Wasser werde mit einigen Tropfen Indigolösung
dunkelblau gefärbt; diese Mischung werde mit einem Tropfen verdünnter
Salpetersäure versetzt; dazu gebe man etwa 1 / 2 cm 3 konzentrierte
Schwefelsäure, wobei sich die Mischung etwas erwärmt und unter
Zerstörung des Indigofarbstoffes gelb färbt.
In einem Probierglase werde etwas Kupferblech mit verdünnter
Salpetersäure übergossen, und ein wenig konzentrierte Salpetersäure
zugesetzt. Das Kupfer löst sich unter Entwicklung roter Dämpfe.
( Cu + 2HN0 3 = Cu(N0 3 ) 2 + [2H] )
j H -f- HN0 3 = H 2 0 + NO, (Stickstoffdioxyd) [
[ 3H + HN0 3 = 2H 2 0 + NÖ (Stickoxyd)
Das an und für sich farblose Stickoxyd NO färbt sich beim Zu
sammentritt mit Luft unter Sauerstoffaufnahme und Übergang in Stick
stoffdioxyd rot. Diesen Vorgang kann man häufig an der Mündung
des Probierglases beobachten.
In einem Probierglase werde etwas Stanniol mit konzentrierter Sal
petersäure mäßig unter Bewegen des Glases erwärmt. Das Zinn wird
dabei zu weißem Zinndioxyd Sn0 2 oxydiert, das ungelöst bleibt.
• In einem Probierglase werden etwa 6 Tropfen verdünnter Salpeter
säure mit 2 cm 3 Natriumhydroxydlösung und einer Messerspitze Zink
staub zum Kochen erhitzt. Im die Dämpfe werde ein Streifen feuchtes,
rotes Lackmuspapier so gehalten, daß er die Wände nicht berührt; er
bläut sich bald; oft ist auch der Ammoniakgeruch deutlich wahr
zunehmen. Bei dieser Umsetzung wirkt Zinkstaub und Natriumhydroxyd
lösung als Wasserstofferzeuger nach folgender Umsetzungsgleichung:
Zn -f 2NaOH = Zn(0Na) 2 + 2H
8H + HN0 3 = 3H 2 0 -f NH 3
• Farbreaktionen. Zwei Tropfen verdünnter Salpetersäure werden
mit einem Drittel Probierglase Wasser verdünnt; die Lösung werde auf
drei Probiergläser verteilt. Zum ersten setze man einige Tropfen Di
phenylaminsalzlösung, zum zweiten einige Tropfen Anilinsulfat
lösung. 1 ) Dann gieße man in jedes dieser beiden Gläser etwa 1 / 2 cm 3
konzentrierte reine Schwefelsäure so, daß die Schwefelsäureschicht unter
der wäßrigen Lösung stehe. Man erhält im ersten Glase eine tief
blaue, im zweiten eine stark rote bis rotbraune, bald verblassende Zone
an der Grenze der zwei Flüssigkeitsschichten. Die Lösung des dritten
Probierglases mische man mit 1 / 3 cm 3 konzentrierter Schwefelsäure,
kühle die warm gewordene Mischung an der Wasserleitung ab und werfe
x ) Die AnilinsuLfatlösung enthalte etwas o- und p-Toluidinsuliat.