Full text: Lehrbuch des Pianofortebaues in seiner Geschichte, Theorie und Technik oder Bau und Zusammenfügung der Flügel, Pianinos und tafelförmigen Pianofortes, nebst einer Darstellung der hierauf bezüglichen Lehren der Physik und einem kurzen Abriss der Entwickelungsgeschichte des Pianofortes (Hauptband)

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in dem man keine Verschiedenheit, keinen Wechsel einzelner Be- 
standtheile wahrnimmt, während das Geräusch dagegen verschieden- 
artige, mehr oder minder deutlich unterscheidbare , unregelmässig 
wechselnde Schallempfindungen bietet. Wir können daher auch 
durch Mischung vieler musikalischen Klänge ein Geräusch erzeugen, 
z. B. dadurch, dass wir sämmtliche Tasten eines Pianos in der 
Breite einer oder mehrerer Oktaven gleichzeitig anschlagen. 
Musikalische Klänge sind also einfachere, regelmässigere Schall- 
empfindungen, Geräusche dagegen zusammengesetztere, gemischte, 
unregelmässigere. 
Die grosse Mehrzahl der Schallempfindungen wird uns durch 
Bewegungen der uns umgebenden Luft vermittelt. Diese Bewegun- 
gen treffen die empfänglichen Theile unserer Gehörorgane, erregen 
den Nervenapparat desselben und geben dadurch Veranlassung zu 
der sinnlichen Empfindung eines Schalles. Wenn wir uns nun des 
oben angegebenen Gegensatzes zwischen den musikalischen Klängen 
und den verschiedenen Arten des Geräusches erinnern, so muss 
sich uns ganz naturgemäss der Gedanke aufdrängen, dass es regel- 
mässige Bewegungen der Luft sind, die in unserem Ohre die 
Wahrnehmung eines musikalischen Klanges hervorrufen, während 
die Empfindung eines Geräusches durch unregelmässige Luft- 
bewesungen vermittelt wird. 
Als erste Veranlassung eines Schalles nehmen wir in sehr 
vielen Fällen die Bewegungen irgend eines Körpers wahr, die sieh 
dann auf die uns umgebende Luftmasse fortpflanzen und so nach 
unserem Ohre gelangen. Wir werden dadurch veranlasst, dieselben 
Eigenschaften, welche wir eben den Bewegungen der Luft beilegten, 
durch welche der musikalische Klang oder ein Geräusch nach un- 
serem Ohre fortgepflanzt wird, auch zu übertragen auf die Be- 
wegungen, durch welche die eine und die andere Art des Schalles 
erzeugt wird. 
Wir sind hiernach berechtigt, als muthmaasslich richtig den 
Satz hinzustellen: „Ein musikalischer Klang wird erzeugt, durch 
regelmässige Bewegungen eines Körpers, ein Geräusch durch un- 
regelmässige.“ 
Genauere Untersuchungen haben nicht nur diese Vermuthung 
als richtig erwiesen, sondern uns auch Aufschluss gegeben über die 
Art der Regelmässigkeit, welche die Bewegungen eines Körpers 
besitzen müssen, wenn sie einen musikalischen Klang erzeugen 
sollen. Es müssen nämlich diese Bewegungen 
erstens periodisch erfolgen, d.h. sie müssen sich in gleichen 
Zwischenzeiten in immer derselben Weise wiederholen, und 
zweitens müssen die Perioden sehr kurz sein, es müssen also 
die Wiederholungen derselben Bewegung sehr rasch auf- 
einander folgen. 
Wenn diese Angaben richtig sind, so muss eine Reihe von 
rasch, aber in gleichen Zwischenräumen aufeinanderfolgenden Schlä- 
gen, einen musikalischen Klang erzeugen. Wenn man also etwa 
eine Taschenuhr mit genügender Schnelligkeit ticken liesse, viel- 
leicht hundert oder mehr Male in der Sekunde, so würde man die 
      
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
  
  
   
  
   
   
  
   
  
  
  
  
  
   
  
  
  
  
   
   
  
  
  
  
  
   
   
     
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