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Wege bis M', so heissen wir den veränderlichen Winkel
AMP oder AM'P, welchen die Kürzeste MM' mit dem jedes
maligen Meridian bildet, das Azimuth, und heissen nun G
und G' die zu den Punkten M und M' gehörigen excentri-
sehen Breiten, so ist für alle Punkte M, M' in der Kür
zesten das Gesetz gefunden worden:
1) cos G . sin AMP = cos G'. sin AM'P = = C
wo C eine Constante bezeichnet.
Dieses Gesetz heisst also: Die Cosinus der excen
trischen Breiten und die Sinus der Azimuthe
aller Punkte der Kürzesten bilden ein constan-
tes Product.
Da der Sinus jedes Winkels dem Sinus seines Supple
ments gleich ist, so nehmen wir von den zwei Nebenwinkeln
AMP und PMM' — und so bei jedem andern Punkt in der
Kürzesten — den spitzen nach Norden gerichteten und ver
folgen im Allgemeinen den Weg der Kürzesten. Gemäss
den aufgestellten Formeln nehmen für Winkel zwischen Null
und £ und für
ein constantes sin e mit den wahren Breiten
L und L' der Punkte M und M' auch deren excentrische
Breiten G und G' ab und zu; die excentrische Breite
ist also um so grösser, je mehr der Punkt der geo
dätischen Linie nach Norden hinaufliegt. Mit einer Zunahme
von G nimmt aber cos G ab, und da für jeden Punkt der
Kürzesten das Product cos G . sin A M P constant ist, so muss
mit einer Zunahme von G auch sin AMP, also auch dasAzi-
muth AMP zunehmen. Es wächst also mit der excentri
schen Breite G auch das Azimuth A M P, d. h. letzteres wird
um so grösser, je mehr der Punkt der geodätischen Linie
nach Norden hinaufliegt. Da aber cos G immer mehr der
Null zugehen kann, sin AMP = 1 aber die Grenze ist, über
welche hinaus der Sinus nicht wachsen kann, so muss die
Kürzeste einen Punkt A erreichen, in welchem das Azimuth
90 Grade beträgt, und cos G nicht weiter abnehmen, also
G nicht mehr wachsen kann; über ihn hinaus fortgesetst
wird sich die Kürzeste wieder nach Süden hinabwenden
müssen. Es giebt also auf jeder geodätischen Linie einen