Full text: Die Grundlagen der photographischen Negativverfahren (2. Band, 1. Teil)

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Das latente Bild. 
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Weise unabhängig von mir bald darauf auch von W. D.Bancroft)) 
beobachtet wurde, als „Keimisoli erung‘ bezeichnet. Dabei 
bildete sich in mir die Vorstellung, daß jene ‚„keimisolierenden“‘ 
Substanzen in der Art wirken, daß sie durch Anfärben (Bancroft 
betont die peptisierende Wirkung besonders) des Bromsilbers 
diejenigen Silberteilchen, die an der äußersten Kornoberfläche sich 
noch relativ locker adsorbiert vorfinden, aus der Wirkungs- 
sphäre der Adsorption verdrängen und damit der Nor- 
malen Schutzwirkung durch das sie adsorbierende Bromsilber be- 
rauben. Keimisolierung wäre also Adsorptionsver- 
drängung, jedoch mit der Einschränkung, daß sie sich nur auf 
den löslichen Anteil des 'Jatenten Bildes (s. 0.) erstreckt. 
also mit der Keimbloßlegung durch Jodid usw. nichts zu 
tun hat. 
Die spezifische Wirkung der Keimisolierung auf den latenten 
Schleier wird in einem besonderen Kapitel über den latenten 
Schleier besprochen werden. 
Die Mannigfaltigkeit neuer Reaktionen des latenten Bildes ist 
damit noch keineswegs erschöpft. . Die proteusartige Natur der 
photographischen Schicht bringt es vielmehr mit sich, daß man 
eigentlich immer, wenn man irgendeiner Erscheinung experimentell 
und ohne Vorurteil nachgeht, etwas anderes (oft viel interessan- 
teres!) findet als man suchte. Ein besonderes Kennzeichen photo- 
graphischer Reaktionen besteht auch darin, — und es ist vielleicht 
ganz gut, einmal ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen 5 
daß man selbst beobachtete oder anderweitig genügend beglaubigte 
Tatsachen oft bei einer N achprüfung nach Jahr und Tag nicht 
wieder bestät igt findet. Man unterschätzt eben oft die „In- 
dividualität“ der photographischen Schicht! Das scheint bis- 
weilen den Forschern auf diesem Gebiete die Materie überhaupt 
Zu verleiden und J. Plotnikow?) geht neuerdings sogar soweit, 
folgendes zu schreiben: 
„Gerade wie zur Zeit Da guerres ist die photographische 
Platte ein Kunstwerk, das zwar als Ailfsmittel bei 
Wissenschaftlichen Untersuchungen benutzt wer- 
den, aber nicht selbst das Objekt wissenschaft- 
licher Forschung sein kann“ 
1) Transaect. Faraday Soc. a.a. 0. S. 254 
2) Transaect. Faraday Soc. a. a. O., S. 404. 
Eder, Handb. d. Photoer. Il. Band. 1, Teil, 
15
	        
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