Full text: Georg Wilhelm Friedrich Hegel's Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte (9. Band)

ß Einleitung. 
wenn zu sagen ist, daß der Staat sich gründet auf die Religion, 
daß er seine Wurzeln in ihr hat, so heißt das wesentlich, daß er 
aus ihr hervorgegangen ist und jezt und immer aus ihr her- 
vorgeht, d. h. die Principien des Staates müssen als an und 
für sich geltend betrachtet werden , und sie werden dieß nur, in- jal 
sofern sie als Bestimmungen der göttlichen Natur selbst gewußt dun 
sind. Wie daher die Religion beschaffen ist, so der Staat und seim 
seine Verfassung z er ist wirklich aus der Religion hervorgegangen mw, 
und zwar so, daß der athenische, der römische Staat nur in dem ihr 
specifischen Heidenthum dieser Völker möglich war, wie eben ein Zt 
katholischer Staat einen andern Geist und andre Verfassung hat, im 
als ein protestantischer. Y; 
Sollte jenes Aufrufen, jenes Treiben und Drängen danach, iht 
die Religion einzupflanzen , ein Angst- und Nothgeschrei seyn, 
wie es oft so aussicht, worin sich die Gefahr ausdrückt, daß R, 
die Religion bereits aus dem Staate verschwunden oder vollends ia 
zu verschwinden im Begriff stehe , jo wäre das schlimm, und j 
schlimmer selbst als jener Angstruf meint : denn dieser glaubt noch Sy 
an seinem Einpflanzen und Inculkiren ein Mittel gegen das Uebel wi 
zu haben; aber ein so zu Machendes ist die Religion Überhaupt 7 : 
nicht; ihr sich Machen steckt viel tiefer. I. 
Eine andre und entgegengesehte Thorheit, der wir in unserer M" 
Zeit begegnen, ist die, Staatsverfassungen unabhängig von der I 
Religion erfinden und ausführen zu wollen. Die katholische | 
Confession , obgleich mit der protestantischen gemeinschaftlich inner- 0 
halb der <hristlichen Religion, läßt die innere Gerechtigkeit und 
Sittlichkeit des Staates nicht zu, die in der Innigkeit des pro- " 
testantischen Princips liegt. Jenes Losreißen des Staatsrechtli- Ey 
hen, der Verfassung, ist um der Eigenthümlichkeit jener Religion . 
willen, die das Recht und die Sittlichkeit nicht als an sich seyend, . 
als substantiell anerkennt, nothwendig , aber so loSgerissen von “ 
ver Innerlichkeit, von dem lezten Heiligthum des Gewissens " 
von dem stillen Ort, wo die Religion ihren Sit hat, kommen . 
"Ä
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.