ß Einleitung.
wenn zu sagen ist, daß der Staat sich gründet auf die Religion,
daß er seine Wurzeln in ihr hat, so heißt das wesentlich, daß er
aus ihr hervorgegangen ist und jezt und immer aus ihr her-
vorgeht, d. h. die Principien des Staates müssen als an und
für sich geltend betrachtet werden , und sie werden dieß nur, in- jal
sofern sie als Bestimmungen der göttlichen Natur selbst gewußt dun
sind. Wie daher die Religion beschaffen ist, so der Staat und seim
seine Verfassung z er ist wirklich aus der Religion hervorgegangen mw,
und zwar so, daß der athenische, der römische Staat nur in dem ihr
specifischen Heidenthum dieser Völker möglich war, wie eben ein Zt
katholischer Staat einen andern Geist und andre Verfassung hat, im
als ein protestantischer. Y;
Sollte jenes Aufrufen, jenes Treiben und Drängen danach, iht
die Religion einzupflanzen , ein Angst- und Nothgeschrei seyn,
wie es oft so aussicht, worin sich die Gefahr ausdrückt, daß R,
die Religion bereits aus dem Staate verschwunden oder vollends ia
zu verschwinden im Begriff stehe , jo wäre das schlimm, und j
schlimmer selbst als jener Angstruf meint : denn dieser glaubt noch Sy
an seinem Einpflanzen und Inculkiren ein Mittel gegen das Uebel wi
zu haben; aber ein so zu Machendes ist die Religion Überhaupt 7 :
nicht; ihr sich Machen steckt viel tiefer. I.
Eine andre und entgegengesehte Thorheit, der wir in unserer M"
Zeit begegnen, ist die, Staatsverfassungen unabhängig von der I
Religion erfinden und ausführen zu wollen. Die katholische |
Confession , obgleich mit der protestantischen gemeinschaftlich inner- 0
halb der <hristlichen Religion, läßt die innere Gerechtigkeit und
Sittlichkeit des Staates nicht zu, die in der Innigkeit des pro- "
testantischen Princips liegt. Jenes Losreißen des Staatsrechtli- Ey
hen, der Verfassung, ist um der Eigenthümlichkeit jener Religion .
willen, die das Recht und die Sittlichkeit nicht als an sich seyend, .
als substantiell anerkennt, nothwendig , aber so loSgerissen von “
ver Innerlichkeit, von dem lezten Heiligthum des Gewissens "
von dem stillen Ort, wo die Religion ihren Sit hat, kommen .
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