234 Stall — Stambulow
«Württemb. Geſchichte» (4Bde., Stuttg. 1842—73),
ein durchaus aus den Quellen gearbeitetes Werk.
Ferner bearbeitete S. die hiſtor. Teile der württemb.
Oberamtsbeſchreibungen in Memmingers «Be-
\chreibung des Königreichs Württemberg» (Stuttg.
1824 fg.) und lieferte Beiträge zu den «Württemb.
Jahrbüchern». Als Mitglied der Hiſtoriſchen Kom-
miſſion in München war er bei der Redaktion der
«Forſchungen zur deutſchen Geſchichte» beteiligt.
Sein Sohn Paul, geb. 23. Dft. 1840 zu Stutt-
gart, lebt als Direktor des königl. Geheimen Haus:
und Staatsarchivs daſelbſt; ex ſchrieb «Geſchichte
Mürttembergs» (Bd. 1, Gotha 1882—87), «Ge:
Ihichte der Stadt GCalm» (Calw 1888) und gab
Band 4—7 des «Württemb. Urkundenbuchs» (Stuttg.
1883—1900) heraus.
Stall, die zur Beherbergung von Vieh errichtete
Baulichkeit. Die Wände eines S. ſollen aus \<le<-
ten Wärmeleitern (Ziegel, Kalkſandpiſé, Lehmbau)
errichtet ſein, müſſen jedoch, falls dieſe den Ausdün-
ſtungen des S. jchlecht widerjtehen, mit Ziegel ver-
blendet werden. Die Decke ſollte der Dünjte und
der Feuersgefahr wegen gewölbt ſein oder aus Win-
delboden beſtehen, im Fußboden ſollten die Gänge
mit Feldſteinpflaſter, die Standorte womöglich mit
Ziegelpflaſter in Kalk auf Sandbettung oder aus
beſonders bereitetem Eſtrich gefeſtigt ſein. Durch
Dunſtröhren muß der S. gut ventiliert werden.
Pferdeſtälle ſollen etwa 3 m, größere 4 m hoch
jein. Für ein Pferd ſoll 1,3 bis 1,6 m Standbreite
gerechnet werden, der Stand mit Krippe und Gang
4 bis 4,5 m lang ſein. Die einzelnen Stände mer:
den getrennt, entweder durch einen Lattierbaum
(j. d. und Bilar) oder durch Kajtenwände, oder
die Pferde bewegen fich frei in Zaufftällen
(Boxen), die mindeſtens 3,1 m im Quadrat
jein müſſen. Außerdem gehören in den Pferdeſtall
Kammern für Knechte, Futter, Häckſel, Geſchirr.
Einen größern Pferdeſtall nennt man Marſtall
(\.d.).— Rindviehſtälle follen etwa 3 m hoch ſein,
der Stand für das Hauptvich ſoll 2,5 bis 3 m Breite,
3,3 bis 3,4 m, bei Doppelreihen 7 bis 7,5 m Länge
haben, wobei ein Mittelgang (Futtergang) mit
eingerechnet iſt. Die Fenſter ſollen ſo hoch als mög-
lich liegen, namentlich dort, wo das Vieh mit dem
Kopf nach der Wand ſteht. Futterküche, FZutterboden,
Mägdekammern u1fd Jungviehſtälle müſſen in der
Nähe ſein.— Bei Schafſtäll en rehnet man für das
as 0,6 bis 1 qm Grundfläche, die Höhe ſoll
3—4 m betragen. Der Fußboden muß 15 cm über
dem Terrain liegen. Für die Böcke werden einzelne
mit Bohlenwänden abgetrennte Stände (Bo >-
logen) von 1,2 bis 2 gm Grundfläche geſchaffen.
Der Futterraum liegt am beſten in der Mitte des
S. — Schweineſtälle berechnet man derart, daß
auf ein Ferkel 0,5, ein Faſelſhwein 0,8 bis 1, ein
Maſtſchwein 1,6 bis 2, eine Zuchtſau oder einen
Eber 4 qm kommen. Die Wände müſſen mit Boh-
len verkleidet, der Fußboden ſtark gepflaſtert, die
Futtervorrichtungen (Tröge) von außen bedient
werdenkönnen.—Federviehſtälle müſſenfür eine
Pute 0,3, eine Gans 0,25, eine Ente 0,15, einen Hahn
0,12 qm Fläche haben. — Vgl. Rueff, Bau und
Einrichtung der Stallungen u. #. w. (Stuttg. 1875);
Wanderxley, Die Stallgebäude (Karlsr. 1887 );
Schubert , Kleine Stallbauten (Lpz. 1899); Engel,
Der Viehſtall (3. Aufl., von Meyer, Berl. 1900).
Stalldünger, {. Dünger.
Stallfütterung, \. Futter und Rindviehzucht.
Stallgraf, |. Graf und Connétable.
Stallprobe, f. Milch.
Stallupönen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez,
Gumbinnen, hat 703,26 gkm und (1900) 44336 E.,
1 Stadt, 200 Landgemeinden und 25 Gutsbezirke. —
2) Kreisſtadt im Kreis S., 11 km von der ruff.
Grenze, auf der Waſſerſcheide zwiſchen Niemen und
Pregel, an der Linie Königsberg - Eydtkuhnen und
den Nebenlinien Tilſit-S. (76,2 km) und Goldap-S.
(50 km) der Breuß. Staat3bahnen, Sik des Land:
rat3amtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Sniter:
burg), Steueramtes und einer Neich3banfnebenitelle,
bat (1900) 5058 E., darunter 57 Katholiken und
83 Jsraeliten, in Garniſon die 1. und 2. Eskadron
des Ulanenregiments Graf zu Dohna (Oſtpreuß.)
Nr. 8, Poſtamt erſter Klaſſe, Telegraph; Maſchinen-
fabriken, Dampfmühlen, Landwirtſchaft, Vieh- und
erheblichen Getreidehandel.
Stallwachen, |. Wache.
Stalwarts (engl., «Seiten, «Starte», Mutigen),
in den Vereinigten Staaten von Amerika Bezeich:
nung der Republikaner, die unter Anführung von
Confkling, Cameron und Logan den vergeblichen
Verſuch machten, General Grant auf der 1880 zu
Chicago abgehaltenen Konvention zum drittenmal
zum Präſidentſchaſtskandidaten zu nominieren. Auf
der 1884 abgehaltenen Nationalkonvention ſpielten
die S. keine Rolle mehr.
Stalybridge (ſpr. jtehlibrivich) oder Staley:
bridge, Municipal: und Barlamentsborough in
der engl. Grafſchaft Cheſter, liegt 15 km ditlich von
Mancheſter (\. Karte: Jnduſtriegebiet Man-
cheſter-Leeds, beim Artikel Mancheſter), an dem
überbrüdten TZame, dem Huddersfieldkanal und der
Linie Mancheſter- Leeds, in öder Heidegegend, hat
(1901) 27674 E.; blühende Fabrikation von Baum-
wollzeug, Gießerei und Maſchinenbau.
Stambul, der türk. Name für Konſtantinopel
(1. d.); im engern Sinne der älteſte Teil dieſer Stadt.
Stambúlow, Stephan Nikolow, bulgar. Staats-
mann, geb. 1855 in Tirnova als Sohn eines Gaſt-
wirts, war an den Verſchwörungen und Aufſtands-
verſuchen in Bulgarien 1875—T76 eifrig beteiligt, nach
deren Mißlingen ernah Rumänienentkam. Während
des Ruſſiſch-Türkiſchen Krieges von 1877 bis 1878
diente er in der Jntendanz, während der rufſ. ODccu-
pation als Beamter bei der Polizei ſeiner Vaterſtadt,
ipäter in der Direktion des Innern. Seit 1879 als
Advokat in Tirnova anfällig, machte er fich als
Redner in der Nationalverſammlung bemerkbar, wo
er anfangs jehr radikal auftrat und als Gegner
des Fürſten Alexander galt. Während des Kampfes
zwiſchen Zankow und Karawelow 1884 wurde ©.
Präſident der Nationalverſammlung und organi-
ſiertenach demSturz des Fürſten Alexander (21. Aug.
1886) mit ſeinem Schwager, dem Oberſtleutnant
Mutkurow, die Gegenrevolution. Dann regierte er
bis zur Wahl des Fürſten Ferdinand als Mitglied der
Regentſchaft, nachher 1887—94 als Miniſterpräſi-
dent mit eiſerner Fauſt, wechſelte die Miniſter ſeines
Kabinetts nah Gutdünken, drücte den Einfluß der
Nationalverſammlung völlig nieder, verfolgte alle
wirklichen und vermeintlichen Anhänger Rußlands
und \{loß ſih in der äußern Politik möglichſt der
Türkei, dem Dreibund und England an. Am 29, Maï
1894 mußte S. zurücktreten und Fürſt Ferdinand
berief ein Kabinett aus S.s Gegnern unter Stoi-
low. Am 15. Juli 1895 wurde S. von mehrern
Perſonen überfallen und ſhwer verwundet; 18, Juli
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