Full text: Didaktik des botanischen Unterrichts (7. Band)

S$ 14. Bedeutung und Behandlung der Lebensgemeinschaften. 103 
längere gewiß, als sie zufällig gewonnene Einzeleindrücke er- 
langen können. Nicht allein hierin liegt der didaktische Wert 
der ökologischen Gruppenbildung, viel mehr noch in ihrer Folge- 
richtigkeit, könnte man sagen. Denn wo könnte wohl eine neue 
über die biozentrisch behandelte Einzelbeschreibung hinaus- 
weisende Zielstellung besser gefunden werden als darin, daß 
man, die Natur nachahmend, mehrere Pflanzenarten zusammen 
in denjenigen Abschnitt des Erdganzen stellt, in den sie gehören, 
der ihre gemeinsame Heimat, der Schauplatz ihrer Lebens- 
verrichtungen und die gemeinsame Ursache ihrer Anpassungen 
ist? Nicht nur formalen Wert hat diese Gruppenbildung, sondern 
auch ethischen und ästhetischen. Denn das verständnisvolle Er- 
fassen der Harmonie zwischen belebter und unbelebter Natur, 
„das klare, gemütvolle Verständnis des einheitlichen Lebens in 
der Natur“ (JunGE) führt zu einem freude- und liebevollen Um- 
gang mit ihr, der Quelle allen ästhetischen Genießens. Außer- 
dem trägt die Gewöhnung, Bilder (Gruppen) aufzufassen, direkt 
zur Asthetischen Erziehung bei, denn auch die Kunst stellt 
denkend geschaute Ausschnitte der Natur dar. In diesem Zu- 
sammenhang ist es höchst beachtenswert, daß FR. RATZEL („Über 
Naturschilderung“. München 1904) und Rosen (der Verfasser 
des prächtigen Buches „Die Kunst in der Natur“, Leipzig, TEUBNER), 
dieser auf der Naturforscherversammlung in Breslau 1907, dem 
biologischen Unterricht die gedachte Art der Gruppierung emp- 
fehlen. In der Tat führt sie in die Natur hinein, während die 
Gefahr vorliegt, daß ein zu vorwiegend experimenteller 
Behandlung der Physiologie jäh übergehender Unterricht 
aus ihr herausführt. Und in dem Begriffe der allgemeinen 
Bildung liegt es wohl durchaus begründet, die Fähigkeit zu er- 
ziehen, die Natur denkend zu erfassen, in dem Vorkommen be- 
stimmter Pflanzengruppen den Ausdruck bestimmter Lebensver- 
hältnisse zu erkennen. 
DETMER hat sich‘) für die Behandlung von Lebensbildern und 
Lebensgemeinschaften ausgesprochen. Er will das „Lebensbild“ 
Garten in Vl, die Lebensgemeinschaft „Roggenfeld“ in Ol, einige 
typische Pflanzenformationen im Anschluß an Exkursionen in OI 
durchgenommen wissen. Es ist klar, daß sich dieser Vorschlag 
von dem in diesen Blättern durchgeführten Plan in manchen 
1) In VERWORN, Beiträge.
	        
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