Verlag von B. Gr. Teubner in Leipzig.
Burmester, Dr. L., Professor am Königl. Polytechnikum zu Dresden,
Theorie und Darstellung der Beleuchtung gesetzmässig ge
stalteter Flächen, mit besonderer Rücksicht auf die Bedürfnisse
technischer Hochschulen. (XVI u. 386 S.) gr. 8. Mit einem Atlas
von 14 lithogr. Tafeln (in qu.-Fol. in Mappe). Zweite Ausgabe.
1875. geh. n. Jt. 8.—
Dieses Werk bietet die Hilfsmittel dar, durch welche den Zeichnungen gesetzmafsig
gestalteter Flächen (resp. Körper) eine Bildlichkeit in hohem Grade verliehen wird. F.s liefert
eine analytisch - geometrische Seleuehtungs-Theorie, in der die konstruktive Bestimmung der Liclit-
und llelleverteilnng auf den Flächen durch die höhere Analysis und durch die neuere Geometrie
abgeleitet ist In vielen Fällen sind die Konstruktionen der Linien gleicher wahrer und gleicher
scheinbarer Beleuchlungsiritensität ausgefiihrt. Hierdurch wird dem Lernenden ein Vorbild gegeben,
welches ihm eine Vorstellung von der richtigen Licht- oder Helleverteilung verschafft. Der Ver
fasser hat stets eine leicht ausführbare Darstellung der Beleuchtung erstrebt, um dadurch das
Interesse für die Darstellung zu erwecken und dem Zeichnenden, der oft seiner Phantasie folgend
dem gezeichneten Gegenstände eine falsche Beleuchtung erteilt, einen möglichst ebenen Weg
zur Wahrheit zu eröffnen.
Herr Geh. Schulrat Schlömilch spricht sich über das Buch in der Zeitschrift für
Mathematik und Physik wie folgt aus:
„Die darstclleude Geometrie, welche in dem letzten Decennium durch dia Einwirkung
der neueren Geometrie vollständig umgestaltet und zu höherer Entwickelung befähigt wurde,
mufste naturgemäfs auch die Bestimmung der Licht- und Helleverteilung auf den Flächen
in eine ganz neue Bahn lenken und zu neuen, einfacheren Konstruktionsniethoden führen. In
den Lehrbüchern der darstellenden Geometrie wird meistens nur die Grenze zwischen Licht
und Schatten bestimmt, damit ist aber für das Plastisch-Erscheinen der dargestellten Gegen
stände fast gar nichts gewonnen; demnach entstand das Bedürfnis, die gesetzmäfsige Ver
teilung des Lichttones sowohl in dem direkt, als in dem indirekt beleuchteten Fläcbengehicte
des Dargos.tellten konstruktiv zu bestimmen. Diese Bestimmung wird in dem vprliegenden,
vortrofflich ausgestatteten 'Werke vollständig theoretisch und praktisch auageführt. Die Be
leuchtung der Flächen wird in demselben zum ersten Male in die wahre Beleuchtung
und in die scheinbare Beleuchtung geteilt. Die ersto ist nur von der Neigung der
Lichtrichtung gegen die beleuchteten Flächenelemente, die 'zweite aber von dieser Neigung
und aufserdem von der Neigung der Sehrichtung gogen die beleuchteten Flächenelemente
abhängig. Dia wahre Beleuchtung findet ihre Geltung bei matten, die scheinbare Beleuch
tung bei schwach glänzeuden Flächen. Demgemäfs besteht das Werk aus zwei Hauptteilen,
welche gleichberechtigt nebeneinander gestellt werden. Der Künstler wird jedoch der schein-
hareii Beleuchtung den Vorzug gehen, denn sie läfst die Tonverteilung wärmer erscheinen
und macht auf den Beschauer der dargeatcllten Flächen einen angenehmeren Eindruck, als
die wahre Beleuchtung.
Das Buch bietet mit seinen sorgfältig gezeichneten und künstlerisch ausgeführten
Tafeln dem Leser viel Neues und Interessantes; die Theorie der Beleuchtung ist durch das
selbe in ein neues Stadium getreten, von dem aus sie sich theoretisch weiter entwickeln und
in der praktischen Anwendung nützlich zeigen wird.
Referent kann dieses Buch dem Lehrer der darstellenden Geometrie, dem Techniker
und dem Mathematiker mit voller Überzeugung zum erfolgreichen Studium empfehlen.“