Söhne eines Freskomalers; Cosmas Damian hat lange mit dem Vater ge-
meinsam gearbeitet. Sie kamen von den dekorativen Künsten her und ha-
ben sich nie davon gelöst, sondern haben das Dekorative architektonisch
gesteigert. In den Jahren 1712 und 1713 waren die Brüder in Italien, be-
wunderten dort Bernini, stärkten dadurch aber nur um so mehr ihre Figen-
art. Nach der Rückkehr arbeiteten sie dauernd zusammen, entfalteten eine
ungeheure Produktivität und gaben ein sympathisch anmutendes Beispiel
brüderlicher Arbeitsgemeinschaft. Die Baukunst war ihnen das Mittel, alle
dekorativen Künste zu entfesseln und dann wieder einheitlich zusammen-
zufassen, so daß alles zu einem Ganzen geriet. Ihr wichtigstes Werk in
München ist die Johannes-Nepomuk-Kirche*®, die als Asam-Kirche bekannt
ist (1733 begonnen). Egid Quirin hatte die Leitung. Die Fassade ist fest der
Straßenwand eingebaut. Um Einheitlichkeit zu wahren, haben die Brüder
hart neben der Kirche ihr Wohnhaus errichtet und es mit Rokokoreliefs
so dekoriert, wie die Bayern ihre Hauswände mit Freskomalereien zu be-
decken lieben: es sind plastische Fassadenmalereien. Die Kirchenfassade
selbst wirkt mit ihrem sich vorwölbenden Portal, mit dem hohen Fenster
darüber, aus dessen Dekor die reich gebrochenen Giebelformen hervor-
wachsen, und mit dem schlanken Dachreiter darüber aufregend lebendig.
Der gewachsene Felsen, der unten der Fassade eingebaut ist — ein Einfall,
der in Weltenburg wiederkehrt —, ist architektonisch freilich Willkür, denn
es wird damit die unsichtbare, aber unübersteigbare Scheidewand zwischen
Natur und Kunst mißachtet. Im Innern empfängt den Eintretenden ein
unentwirrbarer Tumult von Form und Farbe, den nur das klug geleitete
Licht in Massen ordnet. Das hohe, schmale Schiff mit dem golden glitzern-
den Hochaltar, mit den gewundenen Säulen, mit den Emporen und einer
zudringlichen Fülle von Dekoration, in der selbst Abbilder des Gekreuzig-
ten zu Ornamenten werden, ist ein Äußerstes. Es könnte zur Wortschwel-
gerei Anlaß geben und hat es auch mehrfach getan. Die Einzelform mutet
hier, wie im volkstümlichen bayrischen Rokoko überhaupt, etwas teigig an;
der Zusammenklang der Formen aber läßt sich mit einer rauschenden poly-
phonen Musik vergleichen. Es manifestiert sich das Sinnlich-Übersinnliche
des Barocks; alle Grenzen werden überflutet.
Ähnlich ist das Erlebnis in der Klosterkirche zu Rohr bei Kelheim, einer
Basilika mit Querschiff, Vierungskuppel und halbrundem Chor. Die Auf-
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