5Io Spezielle Toxikologie.
gebildete Formationen, die „Gastruppen“, aufgestellt worden. In der Heimat
wurden von allen großen kriegführenden Staaten zum Studium und zur Bearbei-
tung der mit dem ‚chemischen Krieg‘ zusammenhängenden neuen Aufgaben
wissenschaftliche Zentralstellen geschaffen. In Deutschland lag die wissenschaft-
liche Organisation in den Händen von FRITZ HABeEr, Direktor des Kaiser Wilhelm-
Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem.,
Die Zahl der für Kriegszwecke vorgeschlagenen und untersuchten Stoffe ist
ungemein groß, in Wirklichkeit sind aber nur etwa 50 wirklich in erheblicherem
Umfang verwendet worden. Am Ende des Krieges verringerte sich diese Zahl
auf weniger als ein Dutzend.
Die Spreng- und Brandgase, wie Kohlenoxyd u. dgl., auch die Nebelstoffe,
gehören nicht zu den Kampfgasen.
Die folgende alphabetische Zusammenstellung gibt einen Überblick über |
die wichtigsten Gaskampfstoffe des Weltkrieges.
Äthylarsindichlorid Chlorvinylarsinchloride* (Lewisite)
Acrolein Cyanwasserstoff (Blausäure)
Arsentrichlorid Dibrommethyläther
Benzylbromid Dichloräthylsulfid
Benzyljodid Dichlormethyläther
Bromaceton Dimethylsulfat
Brombenzyleyanid Diphenylaminarsinchlorid (Adamsit)*
Bromessigsäureester Diphenylarsinchlorid
Bromeyan Diphenylarsincyanid
Butylmercaptan Jodessigsäureäthylester
Chlor Perchlorameisensäuremethylester
Chloraceton (Diphosgen, Perstoff)
Shloracetophenon* Perchlormethylmercaptan
Chlorkohlensäuremethylester Phenylisocyanchlorid
Chlorpikrin Phosgen
Chlorschwefel Thiophosgen
Chlorschwefelsäuremethyl- und -äthylester Xylylbromide
Die mit * bezeichneten Stoffe sind nicht mehr zur Verwendung gelangt,
aber in der Literatur über Gaskampfstoffe häufig erwähnt.
An Stelle der wissenschaftlichen Bezeichnungen wurden im Kriege für die
Gaskampfstoffe kürzere Bezeichnungen, im Anfange wohl auch als Decknamen
zum Zwecke der Geheimhaltung, verwendet. Da diese Namen auch in die Lite-
ratur Eingang gefunden haben, seien im folgenden die wichtigsten wiedergegeben.
Militärische Bezeichnungen und Decknamen für Kampfstoffe!.
Adamsite . . . ....... . Diphenylaminarsinchlorid.
Aquinite F. . . Chlorpikrin.
B-Stoff D. . Bromaceton und bromierte Ketone.
Bn-Stoff D.. .
Be-Granaten 0.
Berthollite F. .
Blaukreuz .
C-Stoff D..
C.A.-Stoff .
0.G.-Stoft .
C.N.-Stoff .
Camite F..
Campiellite I.
Ce-Granaten ©.
. Brommethyläthylketon.
. „ Bromaceton.
. Chlor.
‚ . Diphenylarsinchlorid und -cyanid.
. Chlorameisensäuremethylester.
. Brombenzyleyanid.
. Phosgen.
. Chloracetophenon.
. Brombenzyleyanid.
. Bromeyan + Bromaceton.
. Bromeyan.
2 Die hinter den Namen stehenden Buchstaben bedeuten: A. —= Amerikaner, D. =
Deutsche, E.—= Engländer, F.—= Franzosen, I. = Italiener, Ö.—= Österreicher.