Full text: Bekämpfung der Nachwuchsnöte im Bauingenieurwesen durch Änderung der Studienordnung

zeitig jene Vorbildung erwerben könnte, die erforderlich ist, um 
in der Praxis jenes Maß an Leistungen zu zeigen, das man 
von einem Ingenieur verlangen muß! 
So ist die ganze Studienordnung im Bauingenieurwesen 
in eine Verstrickung von Irrungen und Wirrungen und Un— 
sinnigkeiten geraten, deren eine mer durch die andere bedingt 
ist. Dieser Zustand hat sich mit der unerbittlichen Notwendig— 
keit der Daseinsgesetze entwickelt, weil man die Dinge nicht so 
sehen wollte, wie sie sind, sondern überschrobenen Idealen nach— 
jagte, anstatt sich erst einmal mit dem zu begnügen, was prak— 
tisch erreichbar ist und dem breitesten Bedürfnis Genüge iut. 
Es ist deshalb nötig, es nunmehr nach neuen Grundsäßen 
umzuwandeln und wieder ein vernünftiges System hinein— 
zubringen. Wenn aber heute die Sludierenden und einige 
leider viel zu wenige — Herren aus der Praxis danach rufen, 
daß grundlegende Anderungen unaufschiebbar seien, so mögen sie 
nur nicht meinen, daß solche Forderungen etwas Neues und 
an sich schon etwas Verdienstvolles darstellten. Ein Verdienst 
werden sie erst dann für sich buchen dürfen, wenn sie erstens in 
die ganzen Zusammenhängẽ so hineinzusehen sich bemühen, daß 
sie Prattisch erfolgreiche Vorschläge zu machen in der 
Lage sind (was durchaus nicht stets der Fall ist), und wenn sie 
zweitens nicht nur fordern und lUagen, sondern so zäh und 
nachhaltig für das Bessere arbelten und kämpfen, 
bis es endlich verwirklicht wird. 
In den Hochschulkreisen erkannte allmählich so gut wie 
jeder Goweit die Fgenieun r-Professoren in Frage kommen), 
daß eine Verlängerung der Studiendauer auf mindestens 10 bis 
11 Semester (wie bei den Medizinern) unvermeidlich sei, wenn 
man den Grundsatz der gleichmäßigen Vorbildung auf allen 
Teilgebieten beibehalten wolle. Emer solchen Verlängerung 
standen jedoch auch wieder wichtige Bedenken entgegen uͤnd es 
ist sehr fraglich, ob selbst unter dieser Voraussetzung das 
erstrebte Ideal in praktisch hinreichendem Grade erreichbar sein 
würde. So kam es zu den vorher beschriebenen Versuchen, durch 
Herabsetzung der Ansprüche den unsinnigen Zustand wenig— 
stens auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben. Wie jedes 
Handeln besser ist, als wenn man die Hände einfach in den 
Schoß legt, so hat auch dieser von vornherein mit allen Bedenk— 
lichkeiten jedes Kompromisses behaftete Versuch wenigstens ein 
Gutes gehabt: Es ist b ewiesen, daß auch dieser Weg in der 
bisherbefolgten Artund Weise einer nicht hin— 
reichend bestimmt geregelten Herabsetzung der An— 
sprüche nicht weiter verfolgt werden darf. Er deutet zwar 
in der richtigen Richtung. Er muß aber restlos und ent— 
schlossen bis zu Ende durchschritten werden, indem man 
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