Full text: Lüneburg bis Myus (10. Band)

  
  
  
  
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daſelbſt; Kaiſer Claudius wurde hier geboren und verſchonerte die Stadt. Sie hatte einen 
prächtigen faiſerl. Palaſt und eine Münzſtätte. Unter Nero brannte L. ab und erhielt nach ſei- 
ner Wiederaufbauung den Rang vor allen galliſchen Städten. Das Chriſtenthum fand in L. zu- 
erſt in Gallien feſten Boden; das Blut vieler Märtyrer floß hier, aber auch die erſte chriſtliche 
Kirche Galliens wurde hier gegründet. Jn der Völkerwanderung erlitt L. harte Schläge; Sti- 
licho überließ es 407 den Burgundern, die es zur Hauptſtadt ihres Reichs in Gallien machten; 
Attila brannte es 451 nieder; unter Chlotar eroberten es 554 die Franken. Von nun an theilte 
es die Schickfale des fränk. und neuburgund. Reichs, erhob ſich während dieſer Zeit tros der 
Plünderung durch die Sarazenen im 8. Jahrh. immer mehr, beſonders unter Karl d. Gr., bil- 
dete mit der umliegenden Landſchaft die unter eigenen Grafen ſtehende und zum Arelatiſchen 
Reiche gehörende Grafſchaft Lyonnais und kam unter Kaiſer Konrad IT. mit Arelat zu dem 
Deutſchen Reiche. Im J. 14175 ging die Stadt mit der Grafſchaft Lyonnais aus der Gerichts-= 
barkeit und Gewalt der Grafen unter die der Erzbiſchöfe von L., die von ſcher große Macht und 
Einfluß beſeſſen hatten. In den 3. 1247 und 1254 wurden dafelbft zwei wichtige Kirchenver- 
ſammlungen gehalten. Im J. 1274 begaben ſich die Erzbiſchöfe von L. unter franz. Schus, und 
1565 wurde Lyonnais förmlich mit dem Königreich Frankreich vereinigt, deſſen SchiÆſale es 
von nun an theilte. Mehr als jede andere Stadt Frankreichs litt L. in der erſten Revolution. 
Dbſchon das Volk 1789 das feſte Schloß Pierre-en-Ciſe zerſtörte, ſo bewies fich die Stadt, die 
viele Noyaliſten unter ihren Bewohnern zählte, im Ganzen doch ſehr lau für die Revolution, 
trat endlich offen gegen da8 Schreddensregiment auf, erhob 29. Mai 1795 die Fahne des Auf- 
ſtandes und vertrieb die jakobiniſche Municipalität. Doch ſchon 7. Aug. 1795 begann ein Heer 
des Convents die Belagerung der Stadt, ſodaß ſie ſich 10. Oct. auf Gnade ergeben mußte. Die 
für ſchuldig Geachteten wurden zu Hunderten von den Siegern mit Kartätſchen niedergeſchoſſen, 
und der Convent ſprach über die Stadt, die den Namen Commune affranchie erhielt, die Ver- 
nichtung aus, deren Vollziehung Collot d’Herbois, Fouché und Couthon übertragen ward. Ge- 
gen 6000 Menſchen wurden hingeopfert, und fünf Monate lang riß man die {önſten Gebäude 
nieder. Auch der 9. Thermidor war nicht ohne blutige Reactionen für L. Nur langſam erholte 
ſich die Stadt wieder von dieſen Schlägen, und erſt ſeit 1845 nahmen der Handel und die Sei= 
benfabrifation großen Auffchwung, der aber in neuefter Zeit, namentlich durch die Revolution 
von 1848 wieder in Abnahme kam. Viel trugen zu dieſem neuen Sinken außer der Concur- 
renz, auf die L. in andern Ländern foßt, die drei blutigen Aufſtände von 1851, 1854 und 1849 
bei. Der erſtere, der 24. Nov. 1851 ausbrach, ging von den Seidenwebern (canuts) in der 
Vorſtadt La Croix rouſſe aus, die, vom größten Elende gedrückt, beffere Bezahlung von den Fa- 
brifherren foderten und, als Ddiefe ihnen nicht gewahrt wurde, Die Nationalgarden fhlugen, Bar- 
rikaden errichteten, die Garniſon vertrieben, die Häuſer mehrer Fabrikanten demolirten und Ge- 
râthſchaften und Waaren verbrannten. Erſt die Ankunft des Marſchalls Soult mit 20000 
Mann, in Begleitung des Herzogs von Orleans, vermochte dur) Entwaffnung der Aufrührer 
und Verhaftungen die Nuhe herzuſtellen. Tros der Auflöſung der Nationalgarde und der Ein- 
legung einer ſtarken Garniſon dauerte der meuteriſche Geiſt unter den Arbeitern im Stillen 
fort, um im April 1854 um ſo ſtärker hervorzubrechen. Diesmal hatte der Aufſtand einen mehr 
politiſchen Charakter. Die Nepublikaner verbanden ſich mit den Arbeitern zum Sturze der Re- 
gierung, und geheime Geſellſchaften gaben dem Aufſtande Zuſammenhang mit den gleichzeitigen 
Aufftänden in Paris, im Elfaß und im Süden. Fünf Tage lang wurde in den Straßen aufs 
erbittertſte gefochten. Die Truppen unter General Aymar, welche ſi< im Beſig der ſtrategiſch 
wichtigen Punkte behaupteten, mußten Häuſer und Straßen mit Sturm nehmen, wobei ſie häu- 
fig nur durch Zerſtörung der Gebäude zum Ziele gelangten. Man ſchätzte den Verluſt auf mehre 
Mill. Fres. Statt des Nepublikanismus gewann hierauf der Ultramontanismus in L. einen Herd, 
von dem aus dieſer den geiſtlichen Krieg gegen den Staat und alle nicht hierarchiſchen geiſtigen 
Gewalten unterhielt. JmDctober und November des 3. 1840 richteten die Überſchwemmungen 
der Saône ungeheuern Schaden an, ſodaß für die Verunglükten im Jn- und Auslande geſam- 
melt wurde. Der Tumult vom 24. Febr. 1848 auf die Nachricht von der Revolution in Paris 
hatte einen erheblichen Erfolg. Dagegen brach 15. Juni 1849 ein Volksaufſtand aus, der mit 
dem pariſer Tumult in Verbindung ſtand und durch die Truppen unter General Magnan nie- 
dergeworfen wurde. Vgl. Clerjon, „Uistoire de L.“ (4 Bde., Lyon 1829—55); Beaulieu, 
(Histoire du commerce, de lindaustrie et des fabriques de L.“ (Yyon 1838). 
Lyra, das ältefte Saiteninſtrument, deſſen Urſprung auf den ägypt. Hermes oder Mercur 
zurückgeführt wird, hatte anfangs nur drei Saiten, obwol die des Anubis auf einem Mumien- 
 
	        
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