Einleitung’.
§ 1. Bedeutung und Fortschritte der Photographie. Die neuen Objec-
tive unserer photographischen Apparate, welche nahezu vollständig geometrisch
richtige perspectivische Project.ionen eines Gegenstandes zu geben vermögen;
die ausserordentliche Vereinfachung, welche die Einführung der trockenen
Bromsilber-Emulsionplatten in Verbindung mit vollkommeneren Methoden der
Entwicklung, Fixirung und des Copirprocesses hinsichtlich der praktischen
Herstellung von Photographien mit sich gebracht hat; die Möglichkeit in
ausserordentlich kleinen Brucktheilen einer Secunde das Bild einer Er
scheinung festzulegen, welche uns die Momentan-Photographie bietet; die
Mikrophotographie, der Vergrösserungsprocess u. s. w. haben Theorie und
Praxis der Photographie zu einem der wichtigsten und zweckmässigsten
Förderer vieler anderer Wissenszweige gemacht, und ihr eine Bedeutung
verschafft, die weit über die Geschäftssphäre des Berufsphotographen und
den interessanten Zeitvertreib des „Amateurs“ hinausragt.
Wechselseitig sich fördernd haben theoretische Untersuchungen im
Laboratorium und praktische Erfahrungen im Atelier des Photographen ein
neues höchst interessantes Gebiet der Photochemie erschlossen; in welchem
man auf den Feldern der optischen Sensibilitoren als Früchte orthoskiagra-
phische Aufnahmen erntet, welche die verschiedenen Farben in jenen Licht
abstufungen wiedergeben, in denen sie dem menschlichen Auge erscheinen,
und in welchem Gebiete man bereits die noch nicht ganz ausgereiften aber
vielversprechenden Erstlinge der Photochromie , Bilder in natürlichen
Farben, pflückt.
Die Lichtbilder der Sonnenprotuberanzen, der Mondesfinsternisse, der
Gestirne, der Blitze, leuchtender Wolken u. s. w. haben der Astronomie und
Meteorologie neue Einblicke in grossartige Naturerscheinungen gestattet.
Ein Naturselbstdruck im weitesten Sinne des Wortes, liefert diese
Kunst dem Naturforscher getreue Abbildungen von Thieren, Pflanzen,
Formationen, Mineralien und flxirt ihm den durch das bewaffnete Auge er
schlossenen Mikrokosmos in bleibenden Bildern.*)
*) Prof. Eder u. v. Reisinger’s Gesteinsdünnschliffe- und Bacillenphotographien.
Steiner: Photogrammetrie. 2