Vorwort.
Die kurze Skizze der Galoisschen Gleiclmngstheorie, die ich
in der Einleitung zum zweiten Bande meines Buches „Die elliptischen
Funktionen und ihre Anwendungen“ vor etwa vier Jahren zu liefern
versucht habe, ließ in mir den Wunsch entstehen, eine ausführliche
Darstellung dieser bewunderungswerten Schöpfung der Mathematik
des vorigen Jahrhunderts zu geben. Die Erwägungen nahmen eine
festere Form an, als ich vor etwa 2 Jahren von der Verlagsbuch
handlung Friedr. Vieweg & Sohn die Mitteilung erhielt, daß die
Bestände des bekannten dreibändigen Werkes von Heinrich Weber
„Lehrbuch der Algebra“ erschöpft seien. Ich habe dieses Buch, von
dessen erster Auflage ich seiner Zeit die Korrekturbogen mit durch
sah, unter den neueren Lehrbüchern der Algebra immer besonders
geschätzt, wenn ich auch nicht leugnen kann, daß mir für den
Standpunkt eines „Lehrbuches“ der Algebra ein reinerer und en
gerer Anschluß an die Grundauffassungen Dedekinds Tätlicher
erschienen wäre.
Nach längeren Überlegungen entstand der Plan zum vorliegenden,
gleichfalls auf drei Bände berechneten Werke. Im ersten Bande
wird man die Einwirkung von Webers Buch vielfach bemerken.
Wenn dies auch bei den folgenden Bänden kaum im gleichen Maße
der Fall sein wird, so habe ich doch im Andenken an die verehrungs
würdige Persönlichkeit Heinrich Webers und in Dankbarkeit für
die vielfältige Belehrung, die ich seinem Buche schulde, kein Bedenken
getragen, Webers Namen in den Titel des vorliegenden Werkes auf
zunehmen.
Der jetzt abgeschlossene erste Band bringt die Grundlagen der
Theorie der algebraischen Gleichungen unter Einschluß der Galois
schen Theorie. Er schließt mit einer Theorie der „algebraisch lös
baren“ Gleichungen, die wenigstens im Falle eines Primzahlgrades
mit einer gewissen Vollständigkeit behandelt werden. Der zweite
Band wendet sich zu den niedersten, nicht mehr „algebraisch“ lös
baren Gleichungen. Es handelt sicli hier namentlich um jene