Full text: Bismarck-Archipel bis Chemnitz (3. Band)

  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
662 Butter (Bereitung). 
Ihwierigere Berwertung der gefäuerten Buttermilch 
in erſter Linie ſteht. Weitaus in den meiſten Fällen 
wird die zu verbutternde Milch zunächſt in einen fett- 
reichen Teil, den Rahm (Sahne, S<hmand, Kern, 
Flott, Obers 2c.), und einen fettarmen, die Ma- 
germil<, geſchieden. Dies geſchieht nah dem alten, 
vielfah ausgebildeten (holländiſchen, holſteiniſchen, 
Swarßſchen) Verfahren dur<h ruhiges Stehen der 
Milch, in der das ſpeziſiſh leichtere Fett an der Ober- 
fläche fich ſammelt. Haupterfordernis iſt genaue Ein- 
haltung der Temperatur (12—159), damit die Milch 
mindeſtens 36 Stunden ſüß bleibt, weil nur dann eine 
feine und haltbare B. aus dem Rahm gewonnen wird, 
wenn derſelbe völlig ſüß von der ſüßen Milch abge- 
nommen wird. Das alte Aufrahmungsverfahren lie- 
ferte bei einem mittlern Fettgehalte der Milch von 
3,4 Proz. aus 100 kg Milch 3,3 kg B. mit 84 Proz. 
Fettgehalt. Die dabei gewonnene Magermilch enthielt 
0,64 Proz. Fett. Das alte Verfahren iſt jezt wenig- 
ſtens im Großbetrieb erſet durch die Benußung der 
Zentrifugal-(Schleuder-) kraft, unter deren Ein- 
fluß die ſpezifiſh <hwerere Löſung von Milchzucker, 
Käſeſtoff und Salzen ſih von dem ſpezifiſch leichtern 
Fett ſehr vollkommen trennen läßt. Etwaige in der 
Milch enthaltene feſte Verunreinigungen ſammeln 
ſich als die ſhwerſten Teile an dem äußerſten Umfang 
der bewegten Milchmaſſe, d. h. am Jnnenrande der 
Trommel, dann folgt nach innen die entfettete Milch 
(Magermilch mit 0,15—0,20 Proz. Fett), und der 
innerſte Raum wird von dem Rahm eingenommen. 
1859 benugte Fuchs in Karlsruhe die Zentrifugal- 
maſchine zur Unterſuchung der Milch. 1864 konſtruierte 
Prandtl in Bayern eine Milchſchleuder, aber erſt 1876 
gelang es Lefeldt in Schöningen, eine brauchbare 
Zentrifuge herzuſtellen. 
Die Lefeldt\che Zentrifuge (Textfig. 1) beſteht 
aus einer Trommel, die ſich auf einer vertikalen Welle 
mit einer 
Milch _\ Geſchwin- 
digkeit von 
800 -1000 
Touren in 
einer Mi- 
nute um 
ihre Achſe 
/ dreht. Die 
/ Pfeile zei- 
7 gen den 
BS Zufluß der 
7 Milch und 
- denAbfluß 
Fig. 1. Lefeldtſche Zentrifuge. der Ma- 
germilhu. 
des Rahmes. Bei beſtändigem Zufluß friiher Milch 
erhält man etwa 0,80 derſelben als Magermilch. Eine 
Umfangsgeſchwindigkeit der Trommel von 6—7000m 
und eine Milchtemperatur von 35° gibt die beſten Re- 
ſultate. Das Zentrifugalverfahren gewährt volle Si- 
cherheit des Betriebes, es geſtattet, die Entrahmung 
beliebig weit (90—94 Proz.) zu treiben, gibt völlig 
ſüßen Rahm und ſüße Magermilch, ſehr hohe Butter- 
ausbeute und reinigt die Milch von gllen Shmuß- 
teilen, die ſich als Zentrifugenſhlamm abſcheiden. Zur 
Erhaltung der feinen Beſchaffenheit des auf der Zen- 
trifuge gewonnenen Rahmes und zur Konſervierung 
der Magermilch müſſen dieſelben ſofort und möglichſt 
energiſh gekühlt werden. Unter Umſtänden iſt es 
vorteilhaft, vorher zu paſteuriſieren, um die das Ver- 
derben herbeiführenden Mikroorganismen zu töten. 
     
  
  
Der Rahm enthält in der Regel 11——24 Proz. Fett. 
Die Gewinnung feinſter B. gelingt am leichteſten aus 
Rahm mit 17—18 Proz. Dünnerer Rahm mit 8— 
15 Proz. Fett geht als Kaffeerahm, ſolcher mit 
mehr als 15 Proz. als Shlagrahm. Jm Rahm 
ſind die Butterkügel<hen no< voneinander iſoliert, 
beim Buttern aber, das im weſentlichen darauf be- 
ruht, den Rahm im Butterfaß anhaltender Er- 
ſhütterung auszuſegzen, ballen ſte jich plöglich zuſam- 
men und bilden größere Klümpchen, die zuſammen- 
geknetet die B. bilden. Dies Zuſammenballen der 
Butterkügelchen erklärt ſih am einfachſten, wenn man 
annimmt, daß dieſelben das Fett urſprünglich im Zu- 
ſtande der Uberſchmelzung enthalten, d. h. in einem 
Zuſtand, in dem es bei einer Temperatur weit unter 
dem Schmelzpunkt flüſſig bleibt. Die Erſchütterung 
bewirkt, daß das Fett in den normalen Zuſtand über- 
geht, d. h. erſtarrt, worauf die Butterkügelchen dann 
ſofort zuſammenkleben. 
Man kann ſüßen Kahn verbuttern, doch geht der 
Prozeß leichter von ſtatten, und man erhält größere 
Ausbeute, wenn der Rahm angeſäuert iſt, ſei es dur 
Stehenlaſſen (18—24 Stunden), ſei es dur<h Zuſatz 
von Säureweckern (ſaure Buttermilch vom legten 
Buttern, beſſer geſäuerte Milch, die unter beſondern 
Vorſichtsmaßregeln aufgeſtellt wurde). Die Säue- 
rung des Rahmes erfolgt unter der Einwirkung von 
Bakterien, die aus der Luft, durch die Geräte 2c. in 
den Rahm gelangen und Milchſäure bilden. Gewiſſe 
Bakterien können aber unerwünſchte Prozeſſe einlei- 
ten und Butterfehler veranlaſſen. Man hat deshalb 
die Bakterien guter Nahmſäuerung in Reinkulturen 
gezogen, die dem Rahm zugeſetzt werden. B. aus ſau- 
rem Rahm iſt im allgemeinen dauerhafter als ſolche 
aus ſüßem. Süßer Rahm wird bei 11——159°, geſäuer- 
ter bei 12— 20° verbuttert. Niemals wird die im 
Rahm enthaltene B. vollſtändig gewonnen, ein Teil 
derſelben (bei Rahmverbutterung 2—4 Proz. des 
Fettgehaltes der Milch) bleibt in der Buttermilch 
zurüd. Die gewonnene B. enthält noch 16—22 Proz. 
Buttermilch mechanisch eingefchloffen und wird, um 
ſie von dieſer zu befreien, geknetet, mit Waſſer gewa- 
ſchen und geſalzen. Jn der Regel, beſonders in Nord- 
deutſchland, England, Holland ıc., jeßt man 3—5 
Proz. und nur der fehr lange aufzubewahrenden B. 
10 Bro3. Salz zu. Sinetet man dann nad 12 — 24 
Stunden abermals, ſo wird die Buttermilch viel voll- 
ſtändiger beſeitigt als ohne das Salz. 
Reinlicher und viel energiſcher als die Hand wirken 
Butterknetmaſchinen. Lefeldts Knetmaſchine 
(Textfig. 2) beſteht aus einem auf eifernem Soel 
ruhenden hölzernen Teller, der in der Mitte etwas 
erhaben und mit einem hölzernen Rand umgeben iſt. 
Dieſer Teller wird dur<h Zahnradübertragung von 
einer Riemenſcheibe aus oder durch eine Kurbel mit- 
tels Handbetrieb in Drehung verſet, wobei die Höl- 
zerne, mit Rillen verſehene Walze auf dem Tiſch ſich 
in entgegengeſeßter Richtung dreht. Die am Umfang 
des Tellers dur<h zwei Röhren abſließende Butter- 
milch ſammelt man in einem Gefäß. Über die übri- 
gen bei der Butterbereitung benußten Geräte und 
Maſchinen \. die beifolgende Tafel. 
Häufig wird die B. mit Orlean gefärbt, indem man 
eine Löſung des Orleanfarbſtoffes in fettem Ol (But - 
terfarbe, Orantia, Carottin) ſhon der Milch 
oder dem Rahm im Butterfaß zuſeßt. Auch mit Möh- 
ren, Ringelblumen (Merliton) und andern Farbſtof- 
fen wurde B. früher gefärbt. Zur Konſervierung der 
B. wird ftatt des reinen Kochſalzes auh ein Gemiſch
	        
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