Full text: Vorlesungen über Thermodynamik

Einleitung. 
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Minimum ist, d. h. wenn die Flüssigkeit in beiden Röhren gleich 
hoch steht. Sobald aber über den Geschwindigkeitszustand der 
Flüssigkeit keine besondere Voraussetzung eingeführt wird, ver 
liert jener Satz seine Gültigkeit, die potentielle Energie braucht 
nicht abzunehmen, und das höhere Niveau kann ebensogut steigen 
wie sinken. 
Würde man in der Wärme auch einen Zustand minimaler 
Energie kennen, so würde für diesen, aber auch nur für diesen 
singulären Zustand, ein ähnlicher Satz gelten. Da jedoch in 
Wirklichkeit nicht einmal dieses zutrifft, so ist es aussichtslos, 
die allgemeinen Gesetze der Richtung thermodynamischer Ver 
änderungen, sowie des thermodynamischen Gleichgewichts auf 
entsprechende Sätze in der Mechanik, die nur für ruhende 
Systeme gelten, zurückführen zu wollen. 
§ 108. Obwohl aus diesen Darlegungen ersichtlich ist, dass 
das Energieprinzip im Allgemeinen nicht dazu dienen kann, die 
Richtung eines thermodynamischen Prozesses und damit auch 
die Bedingungen des thermodynamischen Gleichgewichts zu be 
stimmen, so haben doch, wesentlich im Anschluss an den im vorigen 
Paragraphen besprochenen Satz der Mechanik, die Versuche bis 
zum heutigen Tag fortgedauert, das Energieprincip in der einen 
oder anderen Weise zu dem bezeichneten Zweck nutzbar zu 
machen, und dadurch hat der zweite Hauptsatz, der seinerseits 
gerade diesem Zwecke dient, in manchen Darstellungen ein ganz 
unklares Ansehen erhalten. Man sucht ihn stellenweise immer 
noch gewissermassen als einen Theil des Energieprincips hin 
zustellen, indem man alle Untersuchungen, welche sich mit diesen 
Fragen beschäftigen, unter der hierfür zu engen Bezeichnung 
„Energetik“ zusammenfasst. Der zweite Hauptsatz kommt mit 
dem Begriff der Energie nicht aus, er lässt sich keineswegs da 
durch erschöpfend behandeln, dass man jeden Naturvorgang in 
eine Reihe Energieverwandlungen zerlegt und nun nach der 
Richtung jeder einzelnen Verwandlung fragt. Man kann freilich 
in jedem einzelnen Falle die verschiedenen Energiearten nam 
haft machen, die sich gegenseitig umsetzen; denn das Energie- 
princip muss ja immer erfüllt sein. Aber es bleibt immer eine 
gewisse Willkühr darin bestehen, wie man die Bedingungen der 
Verwandlungen ausdrückt, und diese Willkühr lässt sich durch 
keine allgemeine Festsetzung eindeutig beseitigen.
	        
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