Full text: Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1882 - 1921

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IX. Teil: Handelskammer. 
Dem deutschen Volke werde sich nur durch praktische Beispiele zeigen 
lassen, wie die Verhältnisse tatsächlich liegen. Der Bergbau, das Brot der In- 
Justrie, sei den jetzigen Bestrebungen schon zum Opfer gefallen, und es 
werde jetzt nichts weiter übrig bleiben als wenigstens den Versuch zu machen, 
laß in der Art, wie die Sozialisierungskommission es vorschlage, eine möglichst 
milde Form der Sozialisierung durchgeführt werde, indem man noch ver- 
suche den Individualismus zu erhalten. Eine Zufriedenheit werde damit 
allerdings nicht erreicht werden, sondern, wenn das Kohlenparlament weder 
zroße Staatseinnahmen flüssig machen noch den Arbeitern und Beamten 
zroße Zuschüsse geben könne, werde es sich verhaßt machen. Aber man werde 
lann wenigstens erkennen, daß die deutsche Industrie noch nicht, jetzt am 
ıllerwenigsten, zum Sozialismus reif sei. Sozialismus könne man nur treiben, 
wenn die Menschen Engel werden. Daß sie keine Engel seien, hätte sich in 
keiner Zeit mehr gezeigt als jetzt, wo sich das deutsche Volk bis in die Kreise 
hoher akademisch gebildeter Beamter hinein bar an wirtschaftlicher Einsicht 
and erfüllt von Egoismus und Radikalismus zeige; bedauerlicherweise hätten 
zuch die Beamten, von denen man es wohl anders hätte erwarten können, jetzt 
den Revolutionsgewinnlern sich zugesellt und um eigenen Vorteils willen ihre 
wirtschaftliche Einsicht zurückgestellt. Der Sozialismus werde ein Experi- 
ment mit den Nachteilen aller Experimente so lange bleiben, bis einmal alle 
Menschen edel, hilfreich und gut im Goetheschen Sinne sind; erst dann werde 
man. sozialisieren können.“ 
Über künftige Interessenvertretung für Industrie und Handel. 
Sitzung des Hauptausschusses des Deutschen Industrie- und 
Handelstages am 28. und 29. April 1919 zu Berlin. 
(Bericht S. 154f.) 
C. Duisberg: Er habe soeben der Gründung der Arbeitsgemeinschaft 
:ür die chemische Industrie beigewohnt und wolle gerade deshalb eine Lanze 
:ür die Vertretung der Arbeitsgemeinschaft im Reichswirtschaftsrat brechen. 
Zs unterliege gar keinem Zweifel, daß Handel und Industrie die Begrün- 
lung eines Reichswirtschaftsrates mit Freuden begrüßen müßten. Denn in 
ler Nationalversammlung könnten die wirtschaftlichen Interessen nicht in 
der erforderlichen Weise zur Geltung kommen, weil sich nur außerordent- 
ich wenige Vertreter der Industrie und des Handels darin befänden. Wenn 
aber der Reichswirtschaftsrat nur eine beratende Tätigkeit ausüben dürfe, 
so würde wieder das aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Parlament 
allein entscheiden, und es würden die Interessen der Industrie und des 
Handels nicht die gebührende Berücksichtigung finden. Schon deshalb 
müsse dem Wirtschaftsparlament eine beschließende Stimme gegeben werden. 
Die Vertreter der Industrie und des Handels könnten sich damit um so 
eher einverstanden erklären, als diese Forderung gerade von der extremsten 
Seite der Arbeiterschaft erhoben würde. Wenn der Hauptausschuß sich 
auch auf diesen Standpunkt stelle, müsse er sich darüber klar sein, ob die
	        
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