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IX. Teil: Handelskammer.
Dem deutschen Volke werde sich nur durch praktische Beispiele zeigen
lassen, wie die Verhältnisse tatsächlich liegen. Der Bergbau, das Brot der In-
Justrie, sei den jetzigen Bestrebungen schon zum Opfer gefallen, und es
werde jetzt nichts weiter übrig bleiben als wenigstens den Versuch zu machen,
laß in der Art, wie die Sozialisierungskommission es vorschlage, eine möglichst
milde Form der Sozialisierung durchgeführt werde, indem man noch ver-
suche den Individualismus zu erhalten. Eine Zufriedenheit werde damit
allerdings nicht erreicht werden, sondern, wenn das Kohlenparlament weder
zroße Staatseinnahmen flüssig machen noch den Arbeitern und Beamten
zroße Zuschüsse geben könne, werde es sich verhaßt machen. Aber man werde
lann wenigstens erkennen, daß die deutsche Industrie noch nicht, jetzt am
ıllerwenigsten, zum Sozialismus reif sei. Sozialismus könne man nur treiben,
wenn die Menschen Engel werden. Daß sie keine Engel seien, hätte sich in
keiner Zeit mehr gezeigt als jetzt, wo sich das deutsche Volk bis in die Kreise
hoher akademisch gebildeter Beamter hinein bar an wirtschaftlicher Einsicht
and erfüllt von Egoismus und Radikalismus zeige; bedauerlicherweise hätten
zuch die Beamten, von denen man es wohl anders hätte erwarten können, jetzt
den Revolutionsgewinnlern sich zugesellt und um eigenen Vorteils willen ihre
wirtschaftliche Einsicht zurückgestellt. Der Sozialismus werde ein Experi-
ment mit den Nachteilen aller Experimente so lange bleiben, bis einmal alle
Menschen edel, hilfreich und gut im Goetheschen Sinne sind; erst dann werde
man. sozialisieren können.“
Über künftige Interessenvertretung für Industrie und Handel.
Sitzung des Hauptausschusses des Deutschen Industrie- und
Handelstages am 28. und 29. April 1919 zu Berlin.
(Bericht S. 154f.)
C. Duisberg: Er habe soeben der Gründung der Arbeitsgemeinschaft
:ür die chemische Industrie beigewohnt und wolle gerade deshalb eine Lanze
:ür die Vertretung der Arbeitsgemeinschaft im Reichswirtschaftsrat brechen.
Zs unterliege gar keinem Zweifel, daß Handel und Industrie die Begrün-
lung eines Reichswirtschaftsrates mit Freuden begrüßen müßten. Denn in
ler Nationalversammlung könnten die wirtschaftlichen Interessen nicht in
der erforderlichen Weise zur Geltung kommen, weil sich nur außerordent-
ich wenige Vertreter der Industrie und des Handels darin befänden. Wenn
aber der Reichswirtschaftsrat nur eine beratende Tätigkeit ausüben dürfe,
so würde wieder das aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Parlament
allein entscheiden, und es würden die Interessen der Industrie und des
Handels nicht die gebührende Berücksichtigung finden. Schon deshalb
müsse dem Wirtschaftsparlament eine beschließende Stimme gegeben werden.
Die Vertreter der Industrie und des Handels könnten sich damit um so
eher einverstanden erklären, als diese Forderung gerade von der extremsten
Seite der Arbeiterschaft erhoben würde. Wenn der Hauptausschuß sich
auch auf diesen Standpunkt stelle, müsse er sich darüber klar sein, ob die