Full text: Theorie der Mikrometer und der mikrometrischen Messungen am Himmel

Declinograph. 
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zu den Fäden in passenden Nuthen bewegen, ln denselben Richtungen kann 
das Mikrometer als Ganzes mittelst der beiden in der Zeichnung sichtbaren 
Schraubenköpfe verschoben werden. Man kann demnach, je nach der Stellung, 
welche man den Linien durch Drehung des Apparates um die Rohrachse giebt, 
Rectascensions- und Declinationsdifferenzen oder Abstände messen, und zwar 
durch Anschluss an das Strichsystem bis zu 2 Zoll, ohne dass die Messschraube 
über \ Zoll in Anspruch genommen wird. Natürlich muss das Strichsystem 
einer genauen Prüfung unterworfen werden, zu welchem Zweck auch noch ein 
drittes, festes Ocular in die Deckplatte eingesetzt ist. Beobachtungen mit diesem 
Mikrometer sind von Pritchard in Oxford gemacht worden und in Band XLVII 
der »Memoirs of the Royal Astronomical Society« mitgetheilt. Der benutzte 
Apparat ist eingehend untersucht worden und die Resultate können durchaus als 
befriedigend angesehen werden. Allerdings überschreitet das Maximum des 
gemessenen Bogens nicht 26 Minuten, und es ist anzunehmen, dass mit zu» 
nehmender Entfernung der Bilder von der optischen Achse des Objectivs auch die 
Fehler wachsen werden. In jedem Falle können die beiden letztgenannten Mikro 
meter und besonders das erstere nicht den Grad von Leistungsfähigkeit bean 
spruchen, welcher dem gewöhnlichen Faden- oder Positionsmikrometer innerhalb 
der Grenzen seiner Anwendbarkeit .zukommt; für Präcisionsmessungen, welche 
ausserhalb dieser Grenzen liegen und bis zu Abständen von 2°, ist das auf dem 
Princip der Doppelbilder beruhende Objectiv-Mikrometer (Heliometer) zweifellos 
das geeignetste Instrument. 
Declinograph von V. KNORRE. 
Der nach einer Idee von F. Tietjen und einem Entwurf von V. Knorre 
von R. Fuess in Steglitz construirte Declinograph l ) ist ein mit einer besonderen 
Registrirvorrichtung für Declination versehenes Fadenmikrometer. Der Zweck, 
welcher bei der ursprünglichen Herstellung verfolgt wurde, ging dahin, unter 
gleichzeitiger Anwendung eines Chronographen nach Rectascension und Decli 
nation die Oerter zahlreicher Sterne gewisser Himmelsflächen, in welchen z. B. 
ein Planet aufgesucht werden sollte, wenn auch nicht mit äusserster Schärfe, so 
doch mit einer für viele Zwecke ausreichenden Genauigkeit und jedenfalls mit 
weniger Aufwand an Mühe und Zeit als nach bisherigen Methoden zu verzeichnen. 
Dass dieser Zweck gleich von vornherein in vollem Maasse erreicht worden ist, 
darüber ist nach den vielen tausend von Knorre an diesem Apparat gemachten 
relativen Ortsbestimmungen kein Zweifel übrig. Nach mehrfachen, auf Grund 
der gesammelten Erfahrungen vorgenommenen Verbesserungen hat sich aber weiter 
das günstige Resultat ergeben, dass, wenn es sich nicht um eigentliche Mappir- 
ungsarbeiten, sondern um Anschlussbeobachtungen von nur zwei Himmelskörpern, 
also die Ortsbestimmung eines Planeten oder Kometen handelt, die Genauigkeit 
der Beobachtungen derjenigen gleich kommt, welche den Messungen an einem 
Fadenmikrometer der üblichen Construction im Allgemeinen eigen ist. *) 
*) Vergl. W. Foerster, Bericht über die wissenschaftlichen Instrumente auf der Berliner 
Gewerbeausstellung 1879 . — V. Knorre, Ueber ein neues Mikrometer zum Registriren von 
Declinationsdifferenzen. Astr. Nachr., Bd. 93 . — V. Knorre, Ueber die Genauigkeit der mittelst 
des Declinographen beobachteten Declinationen. Astr. Nachr. Bd. 100 . — V. Knorre, Ueber 
die Genauigkeit der Zonenbeobachtungen, welche mit Anwendung des sogen. Declinographen 
am Berliner Aequatoreal ausgeführt werden. Astr. Nachr. Bd. 114 . Ferner V. J. S. der Astr. 
Gesellschaft, Berlin Jahresberichte 1881 , 1882 .
	        
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