Blätter zerfrißt, und. die Horniffe, die den jungen
¡ Stämmen durch das ringelfürmige Abnagen der
‚ Scale zumNteftbau großen Schaden bringt. Durch
die Kernfänle ſterben die Bäume zuweilen ab. Der
Abtrieb geſchieht vom Spätherbſt bis. zum März,
denn in der Saftzeit geſhlagen wird der Baum
mürbe und wurmſtichig. Das Holz der E. ift hart,
dauerhaft, ſehr zähe, hellgelblih und von dünnen
Markſtrahlen durchſetzt, ſeidenartig glänzend oder
von gewäſſertem Anſehen, nur gegen den Kern zu
und auf tro>enen Stellen gewachſen gelbli<h und
flammig. Es iſt als Werkholz ſehr geſucht, da es
außerordentli<h zäh iſt und ſi< wenig wirft und
reißt. Man fertigt daraus Wägen, Pflüge, Ruder,
Rollen, Mulden, Geſtelle zu Senſen, au<h Möbel u.
muſikaliſhe Jnſtrumente. Merkwürdig iſt, daß,
gegen die Regel bei anderen Holzarten, bei der E.
das grobjährige, auf fettem Boden erwachſene Holz
das beſte, feſteſte und zäheſte iſt. Als Brennholz
verhält es ſih gegen das der Rothbuche wie 88 zu
100. Ein Kubikfuß Eſchenholz wiegt friſ<h vom
Stamme 59, Pfund, halb tro>ten 50 Pfund, ganz
dürr 421/, Pfund. Die Aſche liefert viel Potaſche.
Früher waren die Rinde, das Holz, die Blätter und
Früchte officinell. Die Eſchenrinde (Wunderholz-
oder Wundholzrinde) ſhme>t Bitter-fchleimig, zu=
fammenziehend, rie<t wenig und wurde als Erjat-
mittel der China gegen Wechſelfieber empfohlen u.
deutſche China genannt, auch gegen Würmer und
anfangende Waſſerſucht gebraucht. Man kann mit
ihr braun, blau und grün färben. Die Ruſſen bren-
nen ein Del daraus und nehmen es bei vielen
Krankheiten ein. Das Holz diente zur Bereitung
einer Säure, welche man durch niederſteigende De-
ſtillation erhielt u. als ein \<weißtreibendes Mittel
anwendete. Die Blätter dienen als Wundmittel,
find aber jegt ganz außer Gebraud. Sie find frifch
und tro>en ein ſehr gutes Futter für Rindvieh,
Schafe und Ziegen. Den Kühen aber gibt man das
Laub nicht gern, weil Milch und Butter davon einen
unangenehmen Nachgeſhma> erhalten. Auch die
Früchte (Eſchenſamen, Vogelzungen, Wundholz-
ſamen) wurden ſonſt gegen Würmer, Nierenkrank-
heiten u. beginnende Waſſerſuht gebrau<ht. Durch
die Kultur ſind mehre Spielarten entſtanden, von
denen dieTrauerejche (F. excelsior pendula), mit
bis zur Erde herabhängenden Neften, die krauſe
E. (F. e. crispa), mit dunkelgrünen, faltig gefräu-
ſelten und geſchlißten Blättern, die einfachblät-
terige ©. (F. e. simplieifolia), mit einfachen, un=
getheilten Blättern, Die 3mergejche (F. e, nana
und die Goldejche (F.e. aurea), mit blaſſen, gelb-
lichen Blättern und gelben jungen Zweigen, die be-
mertenswertheſten find. Die Mannaeiche (EF.
Ornus L.), mit meift 3 Blättchenjochen und einem
unpaarigen Blättchen und Blüthen, die aus einem
Ajpaltigen Kelch und 4 fehmalen, langen, gelblich
weißen Blumenblättern beſtehen, wächſt in Süd-
europa und ſchon im ſüdlichen Deutſchland als 20
bis 30 Fuß hoher Baum und wird zuweilen in
Gärten, ſehr häufig in Kalabrien und Sicilien kul-
tivirt. Aus dem Stamme fließt ſhon freiwillig,
reihliher aber nah Einſchnitten ein ſüßer Saft, der
an der Luft eintro>net und als Manna (Himmel3-
brod, Himmelsthau) bekannt iſt; ſ. Manna. Sn
engliſhen Gartenanlagen kommen noch einige aus
Nordameriïa ſtammende Arten häufig vor, z.B. die
Eſche — Eſchenbach. 367
langgejpikte ©. (F. americana Hort., F. acu-
minata Lam.), ein hoher, ftarfer, jchriell wachjender
Baum mit gefiederten Blättern (7—9 lederartigen,
faſt 1/2 Fuß langen und über 2 Zoll breiten, an der
Spie ſehr lang vorgezogenen Blättchen); diecar o-
liniſhe E. (F. caroliniana Lam., F. lanceolata
Borkh.), ebenfalls ein hoher und ſtarker Baum mit
zu 7 ſtehenden, lanzettförmigen Blättern. Fort-
pflanzung und Benuzung beider Arten wie bei der
gemeinen E.
5 E el, die in Blaufarbenwerken gewonnene blaue
arbe.
Eſcheubach, 1) (Mü n< 3-E.), Diſtriktsſtadt im
bayeriſchen Kreiſe Oberpfalz, Sit eines Bezirk3-
amts und eines Landgerichts, mit 3 Kirchen, Tuch»
manufaktur, Thongruben und 1320 Einwohnern.
— 2) Stadt im bayeriſchen Kreiſe Mittelfranken,
Diſtrikt Heilsbronn, rechts von der Rezat, mit einem
Schloß, 2 katholiſchen Kirhen und 980 Einwoh>
nern, denklwürdig als Stamm- und Begräbnißort
des Dichters Wolfram von Eſchenbach , dem hier
König Mag II. von Bayern 1861 ein Denkmal in
Geſtalt eines Brunnens mit der Biloſäulè des Sän-
gers errichten ließ.
Eſchenba<h, Wolfram von, der bedeutendſte
und fruchtbarſte Dichter des deutſchen Mittelalters,
wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. aus
dem altadeligen Geſchlehte, das von dem jetzigen
fränkiſchen Städtchen Eſchenbah ſeinen Namen
führie, geboren ; wenigſtens nennt ex ſelbſt Bayern
jein Heimatland. Daß er die Ritterwürde beſaß,
beweiſt die ihm von Zeitgenoſſen beigelegte Benen-
nung herz; daß er auch aus ritterbürtigem Geſchlechte
entſproſſen, möchten ſeine Bemerkung im ,,Parcival““
(V, 115, 11): schildes ambt ist min art, fowie ſein
Wappen, das die maneffiihe Sammlungder Minne-
lieder enthält, und welches dem der nordgauifchen
Eſchenbache ähnlich iſt, darthun. Ueber ſeine Lebens-
ſchicfſale iſt wenig bekannt. Aus mehren Andeu-
tungen in ſeinen Gedichten geht hervor, daß er niht
der erſtgeborne Sohn ſeines Hauſes war u. Dadurch
der Armuth anheimfiel. Nach einer Erzählung des
Wartburgkriegs empſing er zu Maßfeld bei Mei-
ningen vom Grafen von Henneberg den Ritterſchlag
und ward von ihm mit Roß und Gewand ausge-
rüſtet. Auf ſeinen Ritterzügen, wobei ex von ſeinem
Dichtertalente und der Freigebigkeit der Fürſten
lebte, fam er 1204 an den Hof des Landgrafen Her-
mann von Thüringen, der damals der Mittelpunkt
höſiſher Ritterlichkeit und Poeſie war. Hier zeih-
) | nete er ſih namentlich beim ſogenannten Wartburga-
krieg aus und ward von Hermann mit der Bear-
beitung des franzöſiſchen Gedichts von Wilhelm von
Drange beauftragt. Hermanns Nachfolger, Lud-
wig der Heilige (1215), ſcheint ihm weniger Gunſt
bewieſen zu haben, we3halb er ſih gegen das Ende
ſeines Lebens von dem thüringiſchen Hofe zurüd-
zog. Er 7 zwiſchen 1219—25 und wurde in der
Kirche Unſerer Lieben Frauen zu Eſchenbach begra--
ben. Aus mehren Stellen ſeiner Gedichte geht
hervor, daß er glüdlicher Gatte und Vater ge-
weſen. Nach ſeinem eigenen Geſtändniß konnte
er weder leſen, no< ſ<reiben, um ſo mehr aber
iſt ſeine Kraft zu bewundern, die dennoch einen
jo reichhaltigen u. verwidelten Stoff, wie „Barci-
val‘, zu bewältigen und lichtvoll zu ordnen verſtand.
Die wenigen Lieder Wolframs ſind uns in: