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Title
Transactions of the Symposium on Photo Interpretation

WORKING GROUP 5
TROLL
273
wenig bewusst und planmässig, dass sie in ihrem Ausmass nur schwer geklärt
werden kann. Bei vielen tropischen Grasländern z.B. ist es durchaus noch
strittig, wieweit sie durch menschlichen Einfluss, etwa durch künstliche Gras
brände, durch Beweidung, vorübergehenden Anbau etc. aus natürlichen Sa
vannenwäldern entstanden sind.
Bekannt ist das Problem des Wanderhackbaues in den Tropen (shifting
cultivation), d.h. eine periodische extensive Nutzung des Waldes durch vor
übergehenden Anbau mit einer langen Brache zur Regenerierung des Waldes
und des Bodens. Für die Erforschung dieser Form der Bodenkultur hat man
das Luftbild schon mit grossem Gewinn eingesetzt, wie Beispiele in der Aus
stellung dieses Symposiums zeigten. Bei ständigem und intensivem Anbau des
Bodens in den alten Kulturländern Europas und Asiens hat im Laufe der
Jahrhunderte meist eine sehr gute Anpassung der Landwirtschaft an die
ökologischen Voraussetzungen der Natur stattgefunden. Es gibt auch sehr
weitgehende Unabhängigkeit der menschlichen Wirtschaft von den natürlichen
Standortsbedingungen, z.B. bei Bergbau und Industrie.
Die geographische Luftbildinterpretation hat es gerade auch mit diesen
Objekten in der Kulturlandschaft zu tun, wie Siedlungen aller Art, Verkehrs
wegen, Feldsystemen, kulturtechnischen Anlagen, Industrie etc. Diese Objekte
haben den Vorteil, dass sie auf den Luftbildern meist sehr klar sichtbar und
daher auch leichter zu interpretieren sind als die ökologischen Erscheinungen
der Naturlandschaften. Wenn allerdings diemenschlichen Kulturwerke wieder
verschwinden und die Landschaft wieder in ihren natürlichen Zustand zurück
kehrt - mit anderen Worten, wenn die Kulturlandschaft zur archäologischen
Landschaft wird, dann bedient sich die Luftbild-Archäologie wieder der Er
scheinungen der Natur, etwa wenn die Vegetation die terrestrisch nicht sicht
baren Objekte der Archäologie im Luftbild widerspiegelt.
Als Beispiel für eine in starker Anpassung an die natürlichen Voraussetzungen gegliederte
“harmonische” Kulturlandschaft diente ein Landschaftsausschnitt beiderseits des Aggertales
im Bergischen Land östlich Köln. Die Gliederung der Landschaft in die im Luftbild unter
scheidbaren Ökotope wurde mit der Art der Bodennutzung und der Lage der bäuerlichen
Siedlungen, die auch die topographische Karte wiedergibt, verglichen (vgl. Studium Gene
rale a.a.O., S. 170 u. 171).
Als zweites Beispiel dienten Luftbilder aus dem Hohen Westerwald an der Grenze von
Rheinland und Hessen in der Umgebung von Emmerichenhain und Rennerod, die mit Auf
nahmen der Bodennutzung durch E. Wagner aus dem gleichen Raum verglichen wurden:
Dauergrünland in den Hachen, feuchten Mulden, Dauerackerland auf den trockenen Rücken,
Feld-Gras-Wechselland auf den sanften Hängen, dazwischen Reste des Waldes, dazu das sehr
lockere System der im vorigen Jahrhundert angelegten Feldhecken aus Fichten.
Als Beispiel dafür, dass Luftbilder Dokumente sind, die vergangene Landschaftszustände
festhalten, diente ein Bildpaar des gleichen Landschaftsausschnittes am Lech in Südbayern,
aufgenommen von den Bayerischen Wasserkraftwerken im Abstand von 27 Jahren (1924 und
1951). An die Stelle des 1924 noch völlig verwilderten, über kahle Schotterbänke sich ver
zweigenden, in weitem Abstand durch Dämme eingehegten Naturflusses ist durch die seit
herige Korrektion und Bettverengung ein begradigter Flusslauf entstanden, der sich merklich
eingeschnitten hat und beiderseits von breiten Gürteln von Auenwald begleitet und auf viel
schmälerem Abstand von Dämmen eingefasst ist.