Full text: Das Spiegelteleskop in der Astronomie

III. Die Herstellung paraboloidischer Teleskopspiegel 
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Auch die moderne Methode, die sphärische Aberration zu beseitigen, 
ist ein Probieren, nur ist dasselbe wesentlich systematischer, weil heute 
wohlgefestigte Erfahrungen darüber bestehen, welche Wirkung die ver 
schiedenen Arten des Polierstriches haben, so daß eine Unsicherheit, die 
noch durch individuelles Üben und Probieren überbrückt werden muß, 
nur noch hinsichtlich der „Dosierung“ der verschiedenen Stricharten be 
steht; vor allem aber ist die Methodik dadurch unvergleichlich exakter 
geworden, daß man in der handlichen sogenannten „Messerschneiden 
methode“ Foucaults ein äußerst emphndliches Prüfungsmittel nicht nur 
qualitativ für die allgemeine Güte des Spiegels, sondern auch quantitativ 
für die Art und Größe der Abweichungen besitzt. Dieses muß während 
des ganzen Polier- und Figuriervorganges dauernd angewandt werden, 
wenn man wirklich sicher gehen will, sich dem optischen Idealzustande zu 
nähern, und nicht vielmehr den Spiegel zu verschlechtern. 
Das Polieren geschieht ganz ähnlich, wie der Feinschliff; gerade % — % 
Striche werden in dem ersten Stadium meist angewandt. Man muß nun 
darauf achten, ob beim Fortschreiten der Arbeit die Oberfläche überall 
gleichmäßig zu spiegeln beginnt; sollten sich zonenweise Unterschiede 
zeigen, so muß man die Strichform solange variieren, bis man einen auf die 
ganze Fläche gleichmäßig wirkenden Poliereffekt erreicht hat. Sobald die 
Reflexionsfähigkeit des Spiegels genügend weit fortgeschritten ist, soll 
man mit den Foucaultschen Proben beginnen, und der ganze Fortgang 
der Arbeit soll sich dauernd der Führung durch diese bedienen. Dazu 
müssen wir nun zunächst die Prüfungsmethoden im nächsten Abschnitt 
erst einmal näher kennen lernen — es gibt ja schließlich mehrere Me 
thoden, und Foucault selbst hat immer Nachdruck darauf gelegt, daß 
man mit den Prüfungsmethoden möglichst variieren soll; leider wird es 
der Raummangel verbieten, vor allem auf die feinen Fortbildungen 
der Methode Foucaults durch Ritchey mehr als in kurzen Andeutungen 
einzugehen. 
Nur, um nachher nicht vom Wesentlichen abgelenkt zu werden, wollen 
wir an dieser Stelle einen Nebengedanken eine kurze Wegstrecke verfolgen: 
die Prüfung kann ergeben: 1. der Spiegel ist sphärisch vollkommen, 2. Er 
weicht nur in der Richtung von der Sphäre ab, die ihm zur Beseitigung der 
sphärischen Aberration später sowieso gegeben werden muß. 3. Er hat 
auch andere Abweichungen; dieselben treten aber nur in verhältnismäßig 
schmalen Zonen auf, 4. Es finden sich Abweichungen in größeren oder 
kleineren unregelmäßig verteilten Gebieten, so daß der Spiegel nicht einmal 
mehr eine Rotationsffläche ist. Im letzteren Falle bleibt im allgemeinen 
die einzige Hoffnung, den Spiegel noch einmal durch das Läuterungshad 
des Feinschliffs gehen zu lassen. Im Falle 3 versucht man, genau wie bei 
der Großspiegelherstellung, die fehlerhaften Zonen mit Hilfe kleiner „Lokal- 
Polierer“ zurechtzuretuschieren, dagegen braucht man sich im Falle 2
	        
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