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Full text

Title
Reformation des Himmels
Author
Bruno, Giordano

151
Geiste geschaut hat vom Streit des Reichtums, der
Wollust, der Gesundheit und Tapferkeit. Denn kaum
hatte Zeus den Herkules von dort entfernt, so trat
plötzlich die Göttin des Reichtums *) vor ihn hin und
sprach: „Mir gebührt dieser Platz, o Vater.“ — „Aus
welchem Grunde“ erwiderte Zeus, und sie: „Wahrhaftig,
ich vielmehr wundere mich, dass Du es solange auf
schieben konntest, mir einen Platz zu verleihen, und
gemeinsames Theater aller Hellenen und lassen hier jedes Gut zum "Wett
streit um den ersten Preis auftreten, so werden wir bald zur Erkenntnis
der Unterschiede der verschiedenen Güter gebracht werden. Denn zunächst
wird der Reichtum vortreten und sagen: „Ich. Ihr panhellenischen Männer,
verschaffe allen Menschen Schmuck und Bekleidung und Schuhzeug und
sonstigen Bedarf, und bin gleichermassen brauchbar für Kranke und Gesunde,
und in Friedenszeiten gewähre ich Genuss, in Kriegszeiten bin ich der
Nerv der Thatkraft.“ Als die Panhellenen dies vernahmen, verlangten
sie einstimmig, dass dem Reichtum der erste Preis erteilt werde. Aber
ehe dies noch vom Herold verkündigt werden konnte, trat die Wollust
auf die Bühne:
„Welcher der Liebe verlangende Glut und kosende Wonne
Eignet, die auch des Verständigsten Sinn zu verführen beredt ist“,
und sprach, es sei gerecht, ihr den Preis zuzuerkennen;
„Denn der Reichtum ist nicht bleibend.
Sondern flüchtig weicht er, kurze Zeit nur weilend,
Binnen Tagesfrist von dannen,“
und er wird von den Menschen nicht um seiner selbst willen, sondern
nur deshalb geschätzt, weil er ihnen Genuss und Wollust ermöglicht.
Da meinten die Panhellenen, durchaus dieser Recht geben zu
sollen und riefen, man solle der Lust den Kranz verleihen. Allein als
man im Begriff stand, dieser den Ehrenpreis zu überreichen, trat mit
den sie begleitenden Genien die Gesundheit auf und belehrte die Leute,
dass weder die Lust noch der Reichtum den Menschen frommt, wenn sie
nicht zugegen ist,
„denn was nützt wol der Reichtum einem kranken Mann!
Mit wenigem traun und lieber von der Hand zum Mund
Lebt" in der Hütt' ich ohne Schmerz und Pein, als dass
Ich zwischen Schätzen krank läg im Palast!“
Als dies die Panhellenen hörten, begriffen sie, dass, wer bettlägerig
und siech ist, für jeden Genuss unempfindlich ist, und meinten wiederum,
die Gesundheit sei als Siegerin auszurufen. Doch auch die Gesundheit
hatte nicht sobald gesiegt, als schon die. Mannestugend auftrat, umschart
von Heroen und wackeren Männern, und also sprach: „Wenn ich nicht
vorhanden bin, o hellenische Männer, so ist der Besitz aller dieser Güter
eitel, Eure Feinde würden sich bald mit Überlegenheit brüsten, mehr
davon zu haben.“ Als sie dies vernahmen, da erteilten die Hellenen den
ersten Preis der Tugend, den zweiten der Gesundheit, den dritten der
Lust, den letzten dem Reichtum.
p Reichtum und Armut, rein äusserlich vom Besitz objektiver
Güter und nicht, wie Zeus am Schluss dieser Episode es thut, innerlich
von geistigem Besitz verstanden, sind freilich an und für sich keine
Gegenstände der Ethik, welche es nur mit Tugenden und Lastern zu