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Full text

Title
Theorie der Mikrometer und der mikrometrischen Messungen am Himmel
Author
Becker, Ernst Emil Hugo

m
2 Netzmikrometer.
Bei dieser Mannigfaltigkeit der Anwendungen ist es begreiflich, dass nicht
jedes Mikrometer für jeden Zweck gleich geeignet sein kann; während das
Ringmikrometer in den Händen des geschickten Beobachters recht brauchbare
Positionsbestimmungen eines kleinen Planeten oder eines Kometen zu liefern
vermag, würde es ein vergebliches Bemühen sein, die gegenseitige Lage der
Componenten eines Doppelsterns mit der erforderlichen Genauigkeit damit
messen zu wollen, und wenn andererseits das Fadenmikrometer hier vorzügliche
Dienste leistet, steht dieses Mikrometer wiederum bei der Bestimmung des Durch
messers einer Planetenscheibe weit hinter dem Doppelbildmikrometer zurück. Es
mag an dieser Stelle sogleich bemerkt werden, dass seit den unerwartet grossen
Fortschritten, welche die Photographie in ihrer Anwendung auf Himmelsaufnahmen
gemacht hat, bei gewissen der vorhergenannten Aufgaben, ganz vornehmlich bei
Sternhaufen, an Stelle der directen Ocularbeobachtung mit Vortheil und in vielen
Fällen allein mit Aussicht auf Erfolg die photographische Abbildung tritt und
die mikrometrische Messung statt in der Bildebene des Fernrohrs auf der photo
graphischen Platte ausgeführt wird. Die für diesen Zweck erforderlichen Apparate
bleiben hier von der Besprechung ausgeschlossen.
Man kann die grosse Anzahl von Mikrometern, welche seit der Mitte des
17. Jahrhunderts ersonnen und, manche freilich nur versuchsweise oder ganz
vorübergehend, in Anwendung gekommen sind, in zwei Hauptklassen einreihen;
die erste umfasst die Mikrometer, bei denen die Beobachtung an dem einfachen,
durch das Objectiv entworfenen Bild ausgeführt wird, die zweite diejenigen,
welche auf der Verdoppelung oder Vervielfachung des Bildes beruhen. In der
ersten Klasse unterscheiden wir zwei Gruppen, einerseits die Mikrometer, welche
während der Messung dieselbe Lage in ihren Theilen und in Bezug auf das
Fernrohr beibehalten — Netz-, Lamellen- und Kreismikrometer —, und anderer
seits die Mikrometer, bei welchen beide Coordinaten oder eine derselben durch
Lagenänderung einzelner Theile gewonnen werden — Schraubenmikrometer. Die
mikrometrischen Vorrichtungen der zweiten Klasse unterscheiden sich von ein
ander darin, wie die Verdoppelung oder Vervielfachung des Bildes, ob durch
das Objectiv, durch das Ocular, durch Prismen und doppelbrechende Krystalle,
oder endlich durch Beugung des Lichtes an Spalten herbeigeführt wird.
I. Netz-Lamellen- und Kreismikrometer.
Sobald man erkannt hatte, dass zugleich mit dem in der Focalebene des
Objectivs eines Fernrohrs entworfenen Bilde eines äusseren Gegenstandes (Sterns)
eine ebendaselbst befindliche Marke deutlich gesehen wird, lag es nahe, diese
Eigenschaft des Fernrohrs für die Bestimmung der linearen Grösse des Bildes
und des Winkels, unter dem Bild und Gegenstand am Mittelpunkt des Objectivs
erscheinen, zu verwerthen. Die einfachste hierauf beruhende Vorrichtung war das
feste Fadennetz, welches der Marquis von Malvasia, der Beschützer und Mit
beobachter des ersten Cassini in seinen »Ephemerides novissimae motuum
coelestium« (1662) beschreibt, dessen Erfindung jedoch nach Venturi dem bei der
Herstellung der Ephemeriden betheiligten Montanari angehören soll. Dieses
Mikrometer war nichts anderes als ein System von mehreren feinen und senkrecht
einander durchkreuzenden Silberfäden; nachdem der Abstand der einzelnen Fäden
von einander aus der Zeit ermittelt war, welche ein Aequatorstern gebrauchte,
um die senkrecht zur Richtung der täglichen Bewegung gestellten Fäden
zu durchlaufen, konnte die angulare Grösse eines sehr weit entfernten