Full text: Die Blüthezeit der deutschen Philosophie (2. Band)

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einem andern Gebiete der Gegenwart als die »unendliche Harmo- 
nie« in der Zukunftismusik bekannt ist. Darin wieder zeigt sich 
die nahe Verwandtschaft dieses Princips mit dem Fichteschen. 
Aber der Begriff der stetigen Beschäftigung mit sich selbst 
führt Schlegel noch weiter: der Standpunkt der Ironie verlangt von 
der Philosophie, immer nur das Philosophiren selbst, von der Dich- 
tung, immer nur das Dichten selbst zu ihrem Gegenstande zu machen. 
Für die romantische Auffassung wird deshalb der reale Inhalt sowo]l 
des philosophischen Problems als auch der poetischen Darstellung 
gleichgültig. Sie philosophirt nur, um zu philosophiren, sie dichtet 
nur, um zu dichten, und ihr Interesse liegt deshalb nur hei der Form 
ihrer eigenen Thätigkeit, in der sich deren Freiheit zum Genusse des 
Bewusstseins bringt. Das »Thun des Thuns« wird ernstlich durch- 
geführt. Das Wesentliche der Philosophie ist, sich mit den Formen 
zu beschäftigen , welche sie schon entwickelt hat, und in dem Be- 
wusstsein von dem Wechselspiel derselben ihr eigenes Wesen zu 
erfassen , und in den poetischen Versuchen der Romantiker nimmt 
das Wesen des Dichtens und des Dichters eine grosse Ausdehnung 
in dem Umkreis der Gegenstände ein. Damit hängt denn auch die 
historische Tendenz zusammen, welche die Romantiker zur Ge- 
schichte der Philosophie und der schönen Literatur führte. 
Die Anschauungen des romantischen Kreises würden jedoch 
auf die allgemeine Entwicklung der deutschen Philosophie keinen 
so grossen Einfluss gewonnen haben, wie es wirklich geschehen 
ist, wenn ihm nicht der Hauptträger dieser Entwicklung angehört 
hätte. Durch persönliche Beziehungen war Schelling. in den 
letzten Jahren des Jahrhunderts mit den Romantikern so verbun- 
den, dass er völlig zu ihnen gezählt werden muss. Zu dem un- 
endlichen Reichthum seiner Begabung gehörte nicht nur auch die 
dichterische , sondern vor Allem auch eine hohe ästhetische Em- 
pfänglichkeit. Die Bewunderung Goethes ist dabei ein wesentliches 
Bindeglied zwischen ihm und den Dichtern , Kritikern und Recen- 
senten, die sich um die romantische Fahne schaarten. Allein, was 
Schlegel zwar immer geistreich, aber meist paradox und oft als 
unverdauten Einfall hinwarf, das gestaltete sich in dem grossen 
Sinne Schellings zu einer klar gedachten Theorie, und so sehr sich 
die Romantiker persönlich von Schiller entfernen mochten , so war 
es doch die Aufnahme des Schillerschen Gedankens in die Transscen- 
dentalphilosophie, vermöge deren Schelling eine Umwandlung seiner 
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