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einem andern Gebiete der Gegenwart als die »unendliche Harmo-
nie« in der Zukunftismusik bekannt ist. Darin wieder zeigt sich
die nahe Verwandtschaft dieses Princips mit dem Fichteschen.
Aber der Begriff der stetigen Beschäftigung mit sich selbst
führt Schlegel noch weiter: der Standpunkt der Ironie verlangt von
der Philosophie, immer nur das Philosophiren selbst, von der Dich-
tung, immer nur das Dichten selbst zu ihrem Gegenstande zu machen.
Für die romantische Auffassung wird deshalb der reale Inhalt sowo]l
des philosophischen Problems als auch der poetischen Darstellung
gleichgültig. Sie philosophirt nur, um zu philosophiren, sie dichtet
nur, um zu dichten, und ihr Interesse liegt deshalb nur hei der Form
ihrer eigenen Thätigkeit, in der sich deren Freiheit zum Genusse des
Bewusstseins bringt. Das »Thun des Thuns« wird ernstlich durch-
geführt. Das Wesentliche der Philosophie ist, sich mit den Formen
zu beschäftigen , welche sie schon entwickelt hat, und in dem Be-
wusstsein von dem Wechselspiel derselben ihr eigenes Wesen zu
erfassen , und in den poetischen Versuchen der Romantiker nimmt
das Wesen des Dichtens und des Dichters eine grosse Ausdehnung
in dem Umkreis der Gegenstände ein. Damit hängt denn auch die
historische Tendenz zusammen, welche die Romantiker zur Ge-
schichte der Philosophie und der schönen Literatur führte.
Die Anschauungen des romantischen Kreises würden jedoch
auf die allgemeine Entwicklung der deutschen Philosophie keinen
so grossen Einfluss gewonnen haben, wie es wirklich geschehen
ist, wenn ihm nicht der Hauptträger dieser Entwicklung angehört
hätte. Durch persönliche Beziehungen war Schelling. in den
letzten Jahren des Jahrhunderts mit den Romantikern so verbun-
den, dass er völlig zu ihnen gezählt werden muss. Zu dem un-
endlichen Reichthum seiner Begabung gehörte nicht nur auch die
dichterische , sondern vor Allem auch eine hohe ästhetische Em-
pfänglichkeit. Die Bewunderung Goethes ist dabei ein wesentliches
Bindeglied zwischen ihm und den Dichtern , Kritikern und Recen-
senten, die sich um die romantische Fahne schaarten. Allein, was
Schlegel zwar immer geistreich, aber meist paradox und oft als
unverdauten Einfall hinwarf, das gestaltete sich in dem grossen
Sinne Schellings zu einer klar gedachten Theorie, und so sehr sich
die Romantiker persönlich von Schiller entfernen mochten , so war
es doch die Aufnahme des Schillerschen Gedankens in die Transscen-
dentalphilosophie, vermöge deren Schelling eine Umwandlung seiner
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